Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 95)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476268--2307-3478446- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 97 — ferner vor, dass unabhängig von den Landsmannschaften auch die Fraktionen sich selbständig durch Generalredner sollen vertreten lassen können. Es gibt Landsmannschaften, wo wir ruhig annehmen können, dass die Parteien sich verständigen. Hingegen v/ürde mein Antrag in solchen Landsmannschaften, wo das nicht der Fall ist, den Fraktionen die Möglichkeit geben, vertreten zu sein. Die Zahl der Generalredner würde dadurch nicht erheblich vermehrt werden. In diesem Sinne bitte ich den Herrn Vorsitzenden, meinen Antrag zur Abstimmung zu bringen. Del. Dr. Deiches: Meine Damen und Herren! Ich muss meinen Antrag aufrecht erhalten, dass ungeachtet dessen, dass jede Richtung eine gewisse Anzahl von Generalrednern wählt, die Zione Zion zwei hervorragende Vertreter entsenden, die ihren Standpunkt vertreten. Die Gründe hierfür sind folgende: Wir müssen unbedingt den Schein wahren. Die Öffentliche Meinung wird die Berichte über die Reden der Herren Gretenberg und Zangw i 11 lesen, welche mit ihren einzelnen Schattierungen bekanntlich Vertreter einer bestimmten Richtung sind. Wenn wir nun darauf hin die zwei Richtungen von Generalrednern wählen, so könnte es scheinen, als ob diese Herren durchaus die Herren der Situation wären. Um diesem Missverständnisse vorzubeugen, schlage ich vor, dass ungeachtet der bestimmten Anzahl von Generalrednern die Zione Zion das Recht hätten, zwei hervorragende Vertreter unserer Anschauungen hier sprechen zu lassen. Ich glaube, dass der Kongress um der Gerechtigkeit willen in diesem Sinne entscheiden wird. (Beifall.) Del. Dr. .Syrkin: Meine Damen und Herren! Ich spreche hier im Namen der sozialistisch-zionistischen Arbeiter-Delegation, welche durch 30 Delegierte vertreten ist und hinter sich. 10000 organisierte Arbeiter hat. Wir /verlangen vom Kongress, dass aus unserer Mitte 6 Generalrednern das Wort gegeben werde. (Gelächter. — Rufe: 31! — Heiterkeit.) Sie sind moralisch verpflichtet, gerade weil Sie hier die Majorität bilden, einer Minorität, die sich so sehr im jüdischen öffentlichen Leben in Russland in der gegenwärtigen schweren Zeit betätigt, volle Redefreiheit zu gewähren. Weil diese Minorität etwas so prononziert Verschiedenes ist von allen .anderen Richtungen auf diesem Kongresse, so hat sie das .Recht, hier erschöpfend zum Ausdruck zu kommen. Gerade weil Sie wissen, dass Sie die vMacht in Händen haben und der Kongress wahrscheinlich in Ihrem Sinne entscheiden wird, werden Sie vor der jüdischen und gesamten öffentlichen Meinung verantwortlich sein, wenn Sie diesem gerechten Verlangen nicht entsprechen. x (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Del. Rezek: Meine Herren! Eben aus dem Grunde, den Herr Dr. S y r k i n soeben ausgeführt hat, dass nämlich der Kongress bezüglich der Abstimmung über das Uganda-Projekt die Verantwortung tragen wird, wird jeder soviel Vernunft haben, einzusehen, dass, wenn auf jeder Seite 4 Generalredner mit unbeschränkter- Redezeit zum Worte kommen, die Anschauungen der Pro- und Kontra-Seite genügend zum Ausdrucke gelangen, abgesehen davon, dass jeder von uns die Gesichtspunkte beider Parteien genau kennt. Ich bitte daher, ohne Geschäftsordnungsdebatte über den Antrag H a n t k e - Kalmus sofort abstimmen zu lassen. (Beifall.) Vizepräsident Dr. Alex. Marmorek: Herr H e r b s t als letzter Redner zur Geschäftsordnung hat das Wort. Ich bitte aber um ganz besondere Ruhe, weil Herr Herbst nicht laut sprechen kann. Del. Herbst: Meine Herren! Ich bitte Sie, zu berücksichtigen, dass bei der Entscheidung der Frage der Anzahl der Generalredner für die eine und die andere Richtung hauptsächlich das Moment in Betracht kommt, wie die Juden der verschiedenen Länder gemäss ihrer geringeren oder grösseren