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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1905-01-01 · 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905 · p. Seite 95

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
Date
1905-01-01
Page
Seite 95 (sequence 93)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 95 — Meine Brüder! Seit 2000 Jahren schleppen wir unsere Armut von einem Lande zum anderen als Bettler; jetzt haben wir gehört, es gibt ein Land, wo man nicht erst Verhandlungen mit einem Vezier oder dem Sultan zu führen braucht. (Unruhe und Schlussrufe.) Vizepräsident Dr. Marmorek: Ich muss Sie wiederum bitten, sich kürzer zu fassen, es wollen auch die anderen Herren reden. Del. Chasan (fortsetzend): Wir sehen in der Ugandafrage eine Möglichkeit, den Zionismus zu verwirklichen, und darüber wird man nicht wegschwindeln. Wir sagen: Auf den Bericht einer solchen Expedition, welche 3 Wochen eine Festreise gemacht hat (Rufe: 6 Wochen!), die uns ein schönes Feuilleton geschrieben hat, auf einen solchen Bericht wollen wir das Projekt nicht ablehnen. (Widerspruch und Lärm.) Ich will resümieren. Ihr werdet die Bewegung nicht unterdrücken. Diejenigen, welche links sitzen, welche im Namen des Territorialismus reden, sie sind gegen 50 im Saale, hinter ihnen stehen aber sämtliche Tausende der jüdischen Massen. Wir wollen Freiheit, die jüdische Freiheit will sich ausleben, sie will sich nicht zufriedenstellen mit Reden . . . (Lärm und Zwischenrufe.) Vizepräsident Dr. Marmorek: Lassen Sie Herrn Ch'asan zu Ende reden! (Rufe: Er kommt nicht zu Ende. — Schlussrufe.) Del. Chasan (fortsetzend): Die jüdische Landfrage ist das wichtigste in unserem jüdischen Leben. Die jüdische Masse badet in ihrem Blut, sie will sich aber ausleben, und zwar jüdisch. Wir werden nicht als abstraktes Judentum leben, jeder Jude der Massen will leben in jüdischer Gesellschaft, er will nicht vergewaltigt werden von der anderen Gesellschaft, er will leben, wie seine Neschome es ihm diktiert; das kann er aber nur im eigenen Lande. (Del. Rosenifeld: Dazu brauchen wir Palästina. — Dr. Kokesch: Sie reden schon i1/.. Stunden. — Lärm und Schlussrufe.) Vizepräsident Dr. Marmorek: Lassen Sie den Redner sprechen. Del. Chasan (fortsetzend): Die Geschichte der letzten Emigration spricht gegen euch. Es sind Hunderttausende aus Europa nach Amerika und Australien ausgewandert. (Schlussrufe.) Warum sind sie ausgewandert? Welcher- Grund liegt in der jüdischen Emigration, welche Faktoren rufen sie hervor? (Lärm und Rufe: Das ist Obstruktion»! Schluss!) Die jüdische Emigration ist bis jetzt hervorgerufen worden durch zwei Faktoren. Es sind ausgewandert und wandern aus Hunderttausende Italiener und Deutsche nach Amerika, weil sie dort bessere ökonomische Bedingungen finden wollen. Es sind Irländer und andere ausgewandert, weil sie freie, politische Bedingungen finden wollten . . . (Zwischenrufe und Lärm.) Vizepräsident Dr. Marmorek: Ich bitte den Herrn Redner, zu erwägen, dass noch andere sprechen wollen; Sie sprechen jetzt schon 60 Minuten. Ich bitte also, sich kürzer zu fassen. (Unruhe, Zwischenrufe, lärmende Unterbrechungen, Rufe: Zur Sache!) Del. Chasan (fortsetzend): Dorthin, wo die Massen nicht leiden, wo sie freie Bedingungen finden, dorthin wandern sie aus. (Lärm.) Vizepräsident Dr. Marmorek: Ich bitte um Ruhe. Den Herrn Redner ersuche ich aber, die Geduld der Versammlung nicht zu sehr in Anspruch zu nehmen. Del. Chasan (fortsetzend): In den letzten 20 Jahren sind mehr als 2 Millionen aus Russland ausgewandert, für das sie keine Sympathie haben, weil sie dort kein Brot finden. (Andauernder Lärm, stürmische Schlussrafe.)

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