Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 92)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476268--2304-3478443- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- hazzan 3× ep/1004827
OCR text
— 94 — liehen, ist in Palästina schwerer und unwahrscheinlicher als in vielen anderen Ländern. (Rufe: Sie sind ein Antizionist!) Deshalb sagen wir, die jüdische Lebensfrage ist die Landfrage, und wer damit nur Palästina verbindet, begeht ein Verbrechen gegen unser Volk und gegen seine heiligsten Interessen. Gehen wir also über von den Prinzipien zum Praktischen. Ich sage, das Uganda- Projekt ist bei uns kein Zufall, keine wunderbare Erscheinung, sondern etwas ganz Natürliches. Vizepräsident Dr. Marmorek: Ich ersuche den Redner nochmals, sich kurz zu fassen. Es wollen ja auch noch andere Herren sprechen. Del. Chasan: Nach langer stürmischer Debatte ist am VI. Kongresse der Beschluss durchgegangen, eine Expedition nach Ostafrika zu schicken, um den Boden zu studieren. Derselbe Kongress hat den Beschluss gefasst, dass man für diese Expedition keine Schekelgelder verwenden darf. Während der ganzen 2 Jahre ist aber in der „Welt", dem offiziellen Parteiorgan, kein Wort gestanden, dass man Geld für diesen Zweck geben soll, obwohl wiederholt Aufrufe zu anderen Spenden darin enthalten waren. Ich werfe deshalb dem A. C. die Beschuldigung ins Gesicht, dass es einen Kongressbeschluss nicht durchgeführt hat, dass es einen Beschluss mit Füssen getreten hat, der nach dreitägiger langer Debatte durchgegangen ist. Mr. Greenberg hat zufälligerweise Geld für diesen Zweck gefunden, damit eine Expedition weggeschickt werden konnte. Aber was war das Rheine Expedition? Herr Professor War bürg hat uns da vorgelesen, dass man eine Expedition von erfahrenen, sachkundigen Menschen hingeschickt hat, und zu derselben Zeit habe ich den Bericht gelesen, in dem eines der Mitglieder der Expedition, der Vorsitzende, Major G i b b Oi n s , sagt, dass eines der Mitglieder, Herr Wilbuschewitsch, nur eine sehr beschränkte Erfahrung und geringe Bildung hatte und dass nicht er geführt hat, sondern dass man ihn hat mitführen müssen. Ich stelle direkt die Frage an Herrn Professor Warburg : Ist es ein Faktum, dass er, als man ihn fragte, warum man einen solchen Mann ohne Erfahrung mit der Expedition hingeschickt hat, geantwortet hat: Lasst uns früher den Uganda-Schwindel los werden? (Pfuirufe.) Vizepräsident Dr. Marmorek: Diesen Ausdruck muss ich als unparlamentarisch zurückweisen. Ich bitte nochmals, kurz zu sprechen. Es wollen auch andere reden. Del. Chasan: Herr Professor War bürg hat uns in seinem heutigen Berichte vorgelesen, dass Uganda sich für uns nicht eigne. Ich stelle aber an ihn die direkte Frage: Hat Herr Professor W a r b u r g wirklich einen Schwindel aus einem Kongressbeschlusse gemacht? (Entrüstungsrufe. — Grosser Lärm.) Vizepräsident Dr. Marmorek: Sie haben soeben eine Beleidigung gegen ein Mitglied des Kongresses gebraucht. Ich bitte, diesen Ausdruck zurückzuziehen. Del. Chasan: Ich ziehe also den Ausdruck in dieser Form zurück. Vizepräsident Dr. Marmorek: Damit ist der Zwischenfall erledigt. Del. Chasan: Herr Major Gibbons gibt zu, dass man nur 4—5 Wochen in Uganda gewesen ist und dass man in dieser kurzen Zeit den Boden nicht habe erforschen können. Die Herren vom A. C. haben sich eben beeilt, weil sie einen Kongress haben machen wollen, um dort die Resolution des Herrn Ussischkin vorlesen zu können. Uganda ist geeignet, für die Juden eine freie Gesellschaft zu schaffen. Der Bericht der Kommission, in welcher zwei Mitglieder waren — den dritten hat man nur mitgeführt — verhält sich ablehnend.