Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 91)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 93 — . Del. Chasan (fortsetzend): ■ Ich gebe zu: der politische Zionismus existiert erst 8—9 Jahre, aber Kolonisation in Palästina treiben wir schon durch etliche 20 Jahre. Man vergleiche die Kolonisierung in Palästina mit der in anderen freien Ländern, Argentinien, Kanada usw. Ueberall bekommen wir von den betreffenden Regierungen alle möglichen Erleichterungen, Agenten werden sogar von den betreffenden Regierungen ausgeschickt, um die Emigranten und Kolonisten zu unterstützen. In Palästina treiben wir seit etlichen 20 Jahren Kolonisation, aber die türkische Regierung hat noch nicht eine Minute aufgehört, gegen unsere Kolonisation zu sein. Das ist ein sprechender Beweis dafür, dass die türkische Regierung einer politisch jüdischen '■ Bevölkerung in Palästina abgeneigt ist. (Lebhafter Widerspruch.) Meine Brüder und Schwestern! Wir führen mit der Türkei diplomatische Verhandlungen. Seht ihr . . . (Langanhaltender Lärm.) Vizepräsident Dr. Alex. Marmorek: Ich bitte um Ruhe für den Herrn Redner. Del. Chasan: Unsere Auffassung ist die: Weil dem Zionismus nicht Palästina als Grundgedanke unterliegt, weil die Verwirklichung der zionistischen Idee in Palästina am schwersten und unwahrscheinlichsten ist, muss der Zionismus von Palästina prinzipiell losgelöst werden. (Stürmischer Widerspruch.) » Man wirft uns deshalb vor, dass wir Palästina verraten. (Rufe: So ist es. — Zwischenrufe.) Nein, wir verraten es nicht. Wenn ihr aber jetzt kommt und sagt, dass ein freies jüdisches Land nur Palästina sein kann, das doch am schwersten und unwahrscheinlichsten zu erreichen sein wird, begeht ihr einen Verrat am Volke zugleich mit einem Verrat am Lande. (Grosser Widerspruch und Lärm.) Der Ausgangspunkt des Zionismus ist die Judennot und der Judenschmerz, und die einzige Antwort, die der Zionismus darauf gibt, ist die Schaffung eines freien jüdischen Landes. Das Uganda- Projekt ist nicht vom Himmel heruntergefallen, sondern eine natürliche, verständliche Erscheinung. 7 Jahre lang hat man diplomatische Verhandlungen mit der Türkei geführt, und das Resultat war, dass unser verstorbener Führer Herzl nach dem Kongresse uns die freundliche Mitteilung gemacht hat, dass der türkische Sultan ein Schützer von Israel ist. Dann kamen nach einem weiteren Jahre neue Unterhandlungen, und das Resultat derselben war das El-Arisch- und das Ostafrika-Projekt. (Lebhafter Beifall.) Es gibt Regierungen, die sehr viel' freien Boden für Kolonien haben, die sie mit ihrem eigenen Menschenmaterial nicht bevölkern können. Die englische Regierung z. B. hat soviel freien Boden, dass 100 Millionen Menschen hineingehen, würden. Das englische Volk allein kann dieses Land nicht bevölkern . . . Vizepräsident Dr. Marmorek: Ich bitte, sich doch etwas kürzer zu fassen. Del. Chasan: Da sind die Chancen für den Territorialismus zu suchen. Die englische Regierung hat ein Interesse daran, ihre weiten Landstrecken zu kolonisieren. Da sie aber keine Hoffnung hat, dass dies mit ihrem eigenen Menschenmaterial geschehen wird, so ist für uns die Möglichkeit offen, dass wir in dem einen oder anderen Lande eine Konzession bekommen. Das ist also keine wunderbare Erscheinung. Ich bin überzeugt, wenn wir eine freie jüdische Kolonisation nach einer der Kolonien von England unternehmen wollten, würden wir das Entgegenkommen der englischen Regierung finden. Ob die englische Regierung daran interessiert ist, ob sie dabei ein Geschäft macht, das ist uns gleichgültig, das ist doch keine Bettelei, keine Nedowe, die wir verlangen. Der Ausgangspunkt des Zionismus war, dass die Juden ein Land, und nicht das Land haben sollen. (Beifall. — Zwischenrufe und Widerspruch.) Die Möglichkeit, den Zionismus zuverwirk-