Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 90)
- Language
- German, English, Hebrew
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- hazzan 1× ep/1004827
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— 92 — eine allgemeine jüdische Freiheit wird der jüdische Frühling nicht kommen, denn wenn auch die Ketten der Knechtschaft zerbrochen werden, für die Tuden wird kein Winkel übrig bleiben. Es ist nicht das erste Mal in der Geschichte der Juden, dass das Zentrum des jüdischen Lebens von einem Ort auf einen anderen übertragen werden musste. Heute ist < wieder der Augenblick gekommen, w$ die Millionen Juden vom Osten Europas auswandern müssen. Wohin, das ist eben die Frage, die der Zionismus zu lösen hat. Solche Punkte haben sich in der Geschichte der Juden schon wiederholt gefunden, wo dieselben Erscheinungen, derselbe Druck, dieselben Verfolgungen zutage traten. Der Zionismus sagt, dem kann nur durch Emigration abgeholfen werden, aber nicht wir werden erst die Emigration hervorrufen, sie existiert. Die Massen wandern aus, ob wir wollen oder nicht Es muss also ein Ort gefunden werden, wo die Juden ein freies jüdisches Land, eigenen Grund und Boden für ihre Entwicklung finden können, und deshalb sage ich: Der Gedanke, der dem Zionismus zugrunde liegt, ist der: dem jüdischen Volke fehlt ein eigenes Land. Dem jüdischen Volke fehlt nicht Palästina. (Beifall und Händeklatschen. — Widerspruch.) Darin unterscheiden wir uns von den Palästina-Zionisten. (Rufe: Ah!) Ja. Ich glaube, kein einziger von allen, die da sitzen, wird behaupten können, dass Palästina der geeignetste Platz für ein neues jüdisches Zentrum ist. (Lebhafter Widerspruch.) Nehmen wir den Fall an, wir hätten zufälligerweise nach Palästina eine Expedition geschickt, und die brächte uns einen Bericht, in welchem es hiesse: ein Land, welches nicht mehr als ioooo Quadratmeilen hat — ich führe die Angaben des Herrn Dr. Sos ki n an — ein Land, welches eine Einwohnerzahl von mehr als 600 000 hat, ein Land, welches kein Wasser hat. (Lebhafter Widerspruch. — Lärm.) Vizepräsident Dr. Alex. Marmorek: Meine Damen und Herren! Herr C h a s a n ist der Ansicht, dass Palästina kein gutes Land ist. Lassen Sie ihn bei seiner Ansicht und halten wir uns die unsrige. (Lebhafte Zwischenrufe.) Ich bitte um Ruhe! Herr Ohas an, ich bitte fortzufahren. (Fortdauernder Lärm.) Ich höre, die Herren nehmen Anstoss daran, dass auch i c h eine Ansicht über Palästina habe. Ich habe ein Recht, über Palästina so zu denken, wie die meisten Zionisten. Ich habe Herrn C h a s a n seine Ansicht nicht genommen, und weder er noch seine Parteigänger haben das Recht, mir die meine zu nehmen. (Beifall.) Herr Chasan, ich bitte fortzufahren. Del. Chasan (fortsetzend): Ein Land, welches sich unter einer der reaktionärsten und barbarischesten Regierungen der Welt befindet. Herr Dr. Max Nord au hat uns vom Präsidentensitze zwei Vorschläge gemacht. Der eine ging dahin, dass wir alle unseren Sympathien für die neuen Kräfte Ausdruck geben sollen, die in Russland gegen die finsteren Mächte sich vereinigen, und sein zweiter Vorschlag ging dahin, wie wir, um Palästina zu erwerben, uns gegen die freiheitlichen Bestrebungen mit den Regierungen vereinigen sollen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wenn also von der Realisierungsmöglichkeit der zionistischen Idee gesprochen wird, muss zugegeben werden, dass sie nirgends so schwer durchzusetzen ist. als in Palästina. (Lebhafter Widerspruch.) Wir haben doch dafür die Beweise. Ein englischer Redner sagte vorhin, wir hätten bereits eine Geschichte von etlichen 20 Jahren. . (Erneuter Widerspruch und Lärm.) Vizepräsident Dr. Alex. Marmorek: Ich bitte doch, den Herrn Redner aussprechen zu lassen. Die Herren von der Gegenseite haben die anderen Redner auch angehört.