Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 89)
- Language
- German, English, Hebrew
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\ — 91 — uns nützlich ist. Mit dem Mittel Z a n g w i 11 s werde auch dem Sultan bewiesen, dass man ohne ihn etwas tun könne. Vizepräsident Dr. Marmorek: Der nächste Redner, Herr Jochelmann, hat mit Herrn Chasan getauscht, dieser hat daher das Wort. Del. Chasan (mit lebhaftem Beifall begrüsst): Das Basler Prgramm, sagt Ussischkin, wird falsch kommentiert,' und das darf nicht zugelassen werden. Das Uganda-Projekt ist nicht die einzige Frage. Wir debattieren über das Prinzip im Zionismus, darüber will ich reden und unsere Stellung zum Uganda-Projekt begründen, und zwar prinzipiell, nicht technisch. Wir sind 2 Jahre terrorisiert worden, 2 Jahre wird für unsere Schkolim Agitation gegen uns geführt. 2 Jahre hat man Zeitungen unterstützt, die uns beschmutzt haben. 2 Jahre hat man gegen uns eine hässliche Agitation geführt und uns nicht zu Worte kommen lassen. Von dieser Tribüne sollen vor der jüdischen und nichtjüdischen Oeffentlichkeit unsere Prinzipien offen erklärt werden, (Widerspruch und Zwischenrufe.) Sie mögen Demonstrationen machen, isoviel Sie wollen, ich werde ruhig reden; aber wenn ich auf der Tribüne stehe, ist sie mein, ich habe Redefreiheit (Zwischenrufe), machen Sie Bemerkungen, soviel Sie wollen. Ich will unsere Grundsätze fest aussprechen. Im Grund des Zionismus liegt ein soziales Moment. Ich will dies erklären. Der Zionismus will von den Juden Armut, Druck und Leiden nehmen. Der Jude leidet als Jude, nicht weil die Juden nicht Palästina haben, sondern weil sie kein Land haben. Der Ursprung der jüdischen Leiden liegt darin, dass wir kein Heim haben, nicht aber, weil wir dieses Heim nicht haben. (Zustimmung. — Widerspruch.) Alle unsere Kräfte, alle unsere Fähigkeiten werden gehemmt, gesperrt, paralysiert, weil wir kein Land haben. Es werden vielleicht noch andere Redner zum Worte kommen, welche den Zionismus begründen vom Klassenstandpunkte; bei uns gibt es keine Klassenbewegung, sondern der Grund ist der soziale Standpunkt, weil alle Gruppen, ohne Ausnahme, in ihrer Entwicklung gestört werden durch den Umstand, dass die Juden kein Land haben. Wenn der jüdische Arbeiter nicht zugelassen wird zur Grossindustrie, weil er ein Jude ist, so ist das eine Teilerscheinung. Ich kann ein frommer Jude sein, ich kann von der Orthodoxie sein, wenn ich aber sage, dass der Jude leidet und sich unterwerfen muss, so konstatiere ich einen religiösen Druck. Ich gehöre nicht zur jüdischen Bourgeoisie. loh rechne mich zum Proletariat. Aber die jüdische Bourgeoisie, alle jüdischen Parteigruppen leiden dadurch, dass wir kein Land haben. Dr. Nordau hat sich treffend ausgedrückt in seiner Kongressrede. Er sagte: In der Zeit, wenn andere Völker betrachtet werden als Selbstzweck, betrachtet man uns als Mittel zum Zweck. Man sagt, wir bringen der Gesellschaft Vorteil, darum müssen wir geduldet werden, und der Schluss ist, dass, weil der Boden nicht unser Boden ist, wir in demselben Masse, in welchem wir mit den anderen Völkern zusammenstossen,. gestört werden in unserer Entwicklung. Wir sehen hier in diesem Saale zweierlei Juden, Juden von Osteuropa und Juden von Westeuropa. In Westeuropa ist eine kleine Gruppe, in Osteuropa ist die grösste Masse der Juden. Die kleinere jüdische Gruppe gehört zu. der reicheren Klasse, weil die breitere Masse nach Osteuropa hinausgestossen worden ist. Die breiten jüdischen Massen haben von Westen nach Osten auswandern müssen. Meine Brüder und Schwestern! Wir leben in einer Zeit, wo das Judentum nochmals übersiedeln muss. Für die grosse jüdische Masse gibt es keinen Platz mehr im Osten Europas. Darum sagen wir, der neue Wind, der jetzt weht, wird unsere Frage nicht lösen, denn ohne