Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 86)
- Language
- German, English, Hebrew
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vorschlagen — wie reimt sich das zusammen? (Widerspruch und Rufe: Lüge! Die Resolution lautet anders!) - Zangwill sagt, wir müssten Uganda annehmen, weil es uns proponiert worden ist, während uns Palästina nicht proponiert wurde. Aber müssen wir alles annehmen, was uns proponiert wird? Wir müssen zuerst bedenken, ob es gut ist für uns, nicht, was man uns proponiert. Er sagt: Wie wagen wir eine solche Offerte zu verwerfen, da wir soviel Armut haben? Ich spreche zu meinen armen Brüdern. Ich möchte meine Persönlichkeit nicht hineinbringen in diese Sache, aber es ist insofern notwendig, weil ich hier spreche als Arbeiter; denn ich habe 25 Jahre in Tabriken zugebracht, wo ich mit eigener Hand gearbeitet habe, und habe also ein Recht, für die Armen zu sprechen. (Beifall.) In London hat Zangwill gesagt, dass die Armen nicht werden nach Uganda gehen können, da zur Ansiedlung grosse Mittel erforderlich sind. Dies hat Zangwill gesagt, und es ist gedruckt worden. Jetzt kommt er und sagt: Nehmt Uganda an, weil wir soviel arme Leute haben. In London war es aber bloss der Platz für reiche Leute. Das ist Herr Zangwill. (Bewegung. — Stürmischer Beifall.) Präsident: Ich bitte den Herrn Redner, sich kürzer zu fassen. Del. Sliire (fortsetzend): Wenn wir die Resolution von Zangwill annehmen, so spielen wir der englischen Politik in die Hand, welche eine neue Epoche angefangen hat. Bis jetzt war das Judentum das Spielzeug der herrschenden Klassen Europas. Deutschland hat das Judentum benutzt für seine Politik. Russland benutzt das Judentum noch heute, ebenso Rumänien, und in England fängt die Sache jetzt an. In England heisst es: Hier haben wir ein fremdes Element, wir werden anfangen zu antisemitein. (Widerspruch.) Es fängt an — nicht zuliebe uns und nicht zuliebe euch — nicht, weil wir den Antisemitismus herausfordern, sondern weil es die Umstände mit sich bringen. In England ist der Antisemitismus jetzt geschaffen worden. Für uns aber — wäre es nicht besser, zu sagen, wir haben angefangen unser Ideal zu begreifen, anstatt zum Kongresse zu kommen und Streitigkeiten zu schaffen? Wäre es nicht besser, wenn der Kongress klar sein Programm entwickelte, und wenn wir dann zu den auswärtigen Juden kämen, die noch nicht bekehrt sind? Zangwill will die Zionisten bekehren;; möge er doch lieber die Juden bekehren, die noch nicht Zionisten sind, anstatt die Zionisten zu bekehren zum Uganda-Projekte, das noch nicht zionistisch ist. (Stürmischer Beifall. — Widerspruch.) Präsident Dr. Nordau: Herr Zangwill hat zur tatsächlichen Berichtigung das Wort. Del. Zangwill (mit lebhaftem Beifall und Händeklatschen, Schwenken von Hüten und Tüchern begrüsst — spricht englisch). Vizepräsident Dr. Alex. Marmorek (übersetzend): Herr Zangwill sagt: Ich habe nicht das Recht, zu antworten, aber ich bin gekommen, um verschiedene Irrtümer richtig zu stellen, die ausgesprochen worden sind. Ich will nur sagen, dass es falsch ist, wenn Herr Shire erklärt, dass ich sagte, die grosse Anzahl von Emigranten könne das Territorium nicht bewohnen. Ich sage, wir können dieses Landangebot nicht annehmen, wenn bloss 5000 kommen können — es müssen 100000 hinkommen können, damit wir es annehmen — und deswegen lehne ich dieses Angebot ab. Wenn wir dieses Angebot der britischen Regierung zurückweisen und von ihr verlangen, dass sie uns ein grösseres Territorium gibt, wenn dann die britische Regierung erklärt, sie will es nicht tun, dann ist die Sache erledigt, dann haben wir in jedem Fall die Ehre beim Spiel gewahrt. Die Antisemiten