Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 68)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 70 — Herr Dr. Magnes erbittet sich zuvor das Wort zu einer Bemerkung; in bezug auf die Rede Zanjgwills. Schriftführer Dr. Magnes: Herr Z a n g w i 11 bemerkt, dass er nur eine kurze Rede halten werde und die Versammlung bitte, sich möglichst ruhig zu verhalten. Ich werde versuchen, seine Rede Satz für Satz ins Deutsche zu übersetzen. Del. Zangwill (mit stürmischem Beifall begrüsst — spricht englisch — Dr. Magnes übersetzt): Ich mochte Sie bitten, eine Resolution anzunehmen als Antwort auf das Anerbieten der britischen Regierung, und. ich ersuche Sie, nicht aus Respekt für mich selbst, sondern aus Respekt für die britische Regierung, mich ruhig anzuhören, wenn auch manche von Ihnen mit meinen' Ausführungen nicht einverstanden sein sollten. Sie sind alle hierher gekommen mit bereits festen'Entschlüssen, und ich werde daher nicht ausführlicher sein, sondern nur das sagen, was-der Ernst dieses Gegenstandes, erfordert. Ich will Herrn U s!s i s c h k i n Gelegenheit geben, die Frage heute vorzubringen, die gestern nicht zur Tagesordnung gehörte. Herr Ussischkin hat in einer Sache recht: Die Frage ist unvermeidlich. Ich will nur Sie und ihn bitten, meine Argumente verstehen zu wollen und mir nicht mit Karikaturen und rhetorischen Wendungen zu antworten. Howo nis'chakmo! In unserer Antwort auf das Angebot der britischen Regierung müssen wir „ja" oder „nein" antworten. Dass wir unser „ja" bedingungslos sagen, ist unmöglich. Wenn wir aber „nein" sagen, dann sind wir in Gefahr, der jüdischen Freiheit und dem Asylrecht in England ins Gesicht zu schlagen. (Beifall.) Diejenigen, die jetzt versuchen, die jüdische Einwanderung von England auszuschliessen, werden sagen, die Juden hätten ein grosses und fruchtbares Territorium angeboten erhalten. Sie nehmen es nicht an — so mögen sie zum Teufel gehen. (Grosse Heiterkeit.) Aber Sie werden sagen, was hat das mit dem Zionismus zu tun, was. hat der Zionismus mit den wandernden Massen, die überhaupt keinen Schekel bezahlt haben, zu tun? (Protestrufe.) Die britische Regierung hat uns als. die Vertreter des jüdischen Volkes anerkannt, und sollen wir uns weniger schätzen, als uns die britische Regierung schätzte? Wir sind mehr als ein Parlament von Zionisten, wir sind ein Parlament der Juden aus 23 Staaten der Welt. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wir haben Pflichten nicht allein den Zionisten gegenüber, sondern gegenüber ganz Israel, und wir müssen die Juden auch gegen ihren eigenen Willen retten, ob sie den Schekel bezahlt haben oder nicht. Es gibt Millionen und Millionen Juden, die niemals Schekel bezahlt haben. Ich meine unsere Kindeskinder — und wir arbeiten doch für diese Kindeskinder —, für diese Millionen von Kindeskindern, diese endlosen Millionen, wie ich hoffe, für die wir Palästina einmal erlangen werden. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Es gibt auch andere Zionisten, die ihren Schekel nicht bezahlen, nämlich die Maranno-Zionisten. In diesen Maranno-Zionisten, die mit uns im geheimen sympathisieren, liegt unsere grösste Hoffnung. Denn ihrer sind mehr, weit mehr als der werktätigen Zionisten selbst. Wir dürfen keine Art von Zionisten aus unserer Bewegung ausschliessen. Wir müssen vielmehr daran denken, dass wir auch die Interessen der antizionistischen Juden zu vertreten haben. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wenn wir nicht unsere wandernden Massen gefährden und nicht einfach den Antisemiten Waffen in die Hände geben wollen, so müssen wir der ganzen Welt klar machen, dass das angebotene Territorium nicht das ist, welches die englische Regierung uns ursprünglich zugedacht hat, nicht das „grosse und reiche Territorium", von dem Mr. Balfour kürzlich im Parlament gesprochen hat. Wir müssen uns und andern klär machen,, dass dem nicht so ist. (Beifall.) Wir dürfen der britischen Regierung kein