Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1905-01-01 · 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905 · p. Seite 51

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
Date
1905-01-01
Page
Seite 51 (sequence 49)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3476254-3476268--2261-3478400
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

würde, so würde selbst diese in Palästina keinen Platz finden, das nur 3 Millionen aufnehmen kann. jWir können also unter keinen Umständen auf die Nebenländer Palästinas verzichten, weil sie das natürliche Ausdehnungsgebiet eines jüdischen Gemeinwesens in Palästina bedeuten, weil sie zu den historischen Judensitzen gehören, weil in manchen Teilen eine weitgehende lokale Autonomie seitens der englisch-ägyptischen Regierung zugestanden wird und endlich — und da stimme ich mit den Territorialisten überein -— weil die Lage des jüdischen Proletariats eine derartige ist, dass wir durchaus darauf bedacht sein müssen, ein weites Abflussgebiet für dasselbe zu schaffen, und es kein günstigeres, umfassenderes und zugänglicheres Gebiet für ein derartiges nationales Kolonisationswerk gibt, als die nächsten Nebenländer Palästinas. Damit komme ich zu den praktischen Schritten unseres Programms. Erwarten wir nichts mehr von mächtigen Beschützern, nicht jüdischen oder jüdischen! Verlassen wir uns nur auf uns selbst und auf unsere Mittel. Vernachlässigen dürfen, wir selbstverständlich heute weder diplomatische Beziehungen, die sich uns möglicherweise einmal als nützlich erweisen könnten, noch die Beziehungen zu anderen jüdischen Organisationen, aber rechnen dürfen wir auf diese Hilfe nicht. Unsere Losung muss fürderhin ausschliesslich lauten: Nationale Selbstbefreiung. Halten wir uns in erster Linie an die »Regierungen jener Länder, in denen wir Konzessionen erringen wollen. Die Erfahrung der Geschichte lehrt uns, dass öffentlich-rechtliche Sicherungen im Orient sich als unwirksam erwiesen haben, und unsere eigenen zionistischen Erfahrungen haben gelehrt, dass die schönsten Empfehlungen der Diplomaten sich in Konstantinopel ebenfalls als unwirksam erweisen. Unser Aktionsplan steht fest: Wir ' denken daran, wenn es auf legaler Basis möglich ist, zunächst in Palästina ohne weiteren Aufschub eine ausgedehnte Kolonisation zu führen; solange dies nicht möglich ist, im nächstliegenden El Arisch. Wir müssen uns also an die englische, ägyptische und türkische Regierung halten und ihnen für die Konzessionen, die wir erlangen, schon heute genügende Gegenleistungen bieten. Die englische und ägyptische Regierung wird überhaupt keine besonderen pekuniären Opfer verlangen, wenn wir unbebaute Strecken mit Steuerzahlern füllen und neue wirtschaftliche Werte schaffen. Was die türkische Regierung anbelangt, so haben wir zunächst die Beseitigung jener Hindernisse zu verlangen, welche sich einer Kolonisation auf legaler Basis in Palästina heute in den Weg stellen, d. i. zunächst die Aufhebung des Einwanderungsverbotes, die Beseitigung gewisser drückender Bestimmungen in bezug auf den Häuserbau, den Bodenbesitz, den Modus der Steuereinhebung. Für diese Konzessionen können wir, ausser den durch die Erhöhung des Landesreichtums gebotenen Vorteilen, durch Vermittlung unserer Kolonialbank schon heute genügende Gegenleistungen bieten. Es erhebt sich nun die Frage, auf welchem Wege wir dieses nationale Kolonisationswerk führen sollen. Auch dies ist bereits öfter formuliert worden. Wir wissen, dass wir das Land zu durchforschen, dass wir rationelle Kolonisationspläne zu entwerfen haben, dass wir landwirtschaftliche, industrielle und städtische Kolonisation in möglichster Ausdehnung führen müssen, dass wir die in Palästina bereits vorhandene und die neuen Zuflüsse der jüdischen Bevölkerung als Kern der neuen Bevölkerung erziehen und organisieren sollen. Minder klar ist vielen von uns, durch welches Mittel wir dieses Programm durchführen sollen. Es ist vorgeschlagen worden — und ich selbst habe zu den Befürwortern dieses Planes gehört — dass eine Föderation aller jüdischen, in Palästina arbeitenden Organisationen zur Erreichung dieses Werkes geschaffen werde. Eine solche

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.