Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 47)
- Language
- German, English, Hebrew
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Palästina auf dem, Wege eines .systematischen, wirtschaftlichen nnd politischen Vordringens. Auf dieser Basis stand schon das A. C. in der Sitzung vom April 1904, als es den bekannten Beschluss fasste, Terrains in Palästina zu kaufen, dortige Institutionen zu subventionieren, Versuchsstationen anzulegen usw. Dieselbe Anschauung hat sich etappenweise in den Konferenzen der Landsmannschaften Bahn gebrochen, und wenn ich die letzten Resolutionen der russischen, englischen, amerikanischen, österreichischen Landesorganisationen richtig einschätze, so steht heute die bei weitem überwiegend© Majorität des Zionismus auf dem Boden dieser Anschauung. Aber es genügt nicht, von Zeit zu Zeit schön formulierte Resolutionen zur Beruhigung des Gewissens in die Welt zu schicken. IVTan muss einsehen, dass wir aus diesem neuen Kurse die Konsequenzen ziehen müssen, dass wir aus dieser einzigen Arbeitsmethode tatsächlich die praktischen Schritte deduzieren und sie auch durchführen müssen. Es mag Ihnen dies vielleicht revolutionär vorkommen, aber es ist keine grundstürzende Revolution. Es ist nichts anderes als — ähnlich wie beim Protestantismus — eine Rückkehr zum Urtexte, d. i. zum Basler Programm. Ich will gleich den springenden Punkt berühren, r Es wird uns, den Vertretern dieser Methode, innerhalb unserer eigenen engeren Partei sehr gerne der Vorwurf gemacht, dass wir keine politischen Zionisten wären, und ich habe zu meinem grossen Erstaunen und Bedauern heute gehört, dass auch ein so tief- und weitblickender Zionist wie unser verehrter Herr Präsident dieses Missverständnis teilt — denn es handelt sich hier nur um ein Missverständnis. Ich betone mit ganzem Nachdrucke — und glaube, ohne ein Mandat hierzu zu besitzen, im Namen aller meiner Gesinnungsgenossen zu sprechen — dass wir fest auf dem Boden des politischen Zionismus stehen. (Lebhafter Beifall.) Es handelt sich nur um einen Unterschied in der Taktik. Sie wissen, meine Herren, dass der politische Zionismus von zwei — ich möchte sagen — dogmatischen Voraussetzungen ausgeht: zunächst, dass eine jüdische Kolonisation in Palästina nur dann erfolgreich sein würde, wenn sie von einer im vorhinein gesicherten politischen Autonomie ausgehen würde, und dann, dass man mit einem derartigen Charter in der Hand in raschem Tempo eine Massenkolonisation durchführen könnte. Nun, meine Herren, ich bekenne mich ebenfalls als Anhänger dieser zwei Ziele: eine Autonomie zu erreichen und Massenkolonisation durchzuführen, aber meine Gesinnungsgenossen und ich sind der Ansicht, dass die Methode, das gegenseitige Verhältnis und das Tempo dieser beiden Aktionen, wie es bis jetzt eingehalten wurde, nicht das richtige und erfolgversprechende war. Was die Autonomie anbelangt, so glaube ich, dass ihre strikten Anhänger ihre - Bedeutung ein wenig überschätzen. Ich weiss nicht, welcher von unseren Gesinnungsgenossen einmal treffend gesagt hat: derartige Dinge sind äusserst schwer, ja unmöglich zu erreichen, hat man sie aber erreicht, so erweisen sie sich in der Praxis als bedeutungslos. Vergessen Sie nicht, meine Herren: Wenn Sie sich das Land bereits politisch gesichert haben, so müssen Sie es doch erst wirtschaftlich erobern, und diesen Prozess kann auch der schönste Charter nicht beschleunigen. Vergessen Sie nicht, dass die Massenkolonisation, so sehr erwünscht sie ist, nach dem Urteile aller Männer im Zionismus und ausserhalb desselben, welche von Volkswirtschaft und Kolonialpolitik etwas verstehen, in dem Tempo, wie man sie sich früher vorgestellt hat, unmöglich durchgeführt werden kann. iVlle Mitglieder der Palästina-Kommission haben in längeren Referaten und kurzen polemischen Artikeln wiederholt dargetan, dass alle Versuche von rascher Massenkoloni-