Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 46)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 48 — die Veröffentlichung wenigstens eines Hauptberichtes, durch die Veröffentlichung des Berichtes der Uganda-Expedition unseren Beratungen die notwendige parlamentarische Basis gegeben hat. Zu beklagen ist es allerdings, dass es dasselbe Vorgehen nicht auch auf die anderen Berichte ausgedehnt hat, deren Veröffentlichung und Verteilung ebenfalls von grossem Nutzen gewesen wäre. Besonders bezieht sich diese Bemerkung auf eine wesentliche Unterlassungssünde. Ich behaupte, dass es eine Unterlassungssünde war, dass noch immer der Bericht über die El-Arish-Expedition nicht veröffentlicht wurde. Nach meiner Ansicht und nach Ansicht vieler ist dieser Bericht beinahe aktueller als der Ugandabericht. Denn dieser liegt vor und Sie wissen, dass wir gezwungen sein werden, uns jetzt mit anderen Projekten zu befassen. El Arish ist uns am nächsten, es ist ein Stück unserer legitimen zionistischen Zukunft. Sie sehen, dass die Desarmierung der Kritik sich nur auf jene Punkte beschränkt, betreffs deren die Entwicklung und die Tatsachen eine Konkordanz der Ansichten hergestellt haben. Denn die Kritik vertritt ein Reformprogramm, welches in zwei Programme, in ein umfassendes und in ein engeres zerfällt. Das erstere betrifft die Frage des ganzen geistigen und moralischen Gepräges des Zionismus, die Frage der Umgestaltung des Zionismus, der heute ausschliesslich eine Bewegung zur Landgewinnung und Heimstättengründung ist, in eine Bewegung zur nationalen Wiedergeburt der jüdischen Gesamtheit, auch jener Gruppen, die ihre Länder nicht verlassen wollen; demnach die Frage der nationalen Erziehung, der nationalen Kultur, der nationalen Organisation. Das engere Reformprogramm beschränkt sich auf einen einzigen Punkt, allerdings einen Kardinalpunkt: auf die Frage der Landgewinnung und die Methode der Heimstättengründung. Sie wissen, meine Herren, wie sich die Dinge auf diesem Gebiete entwickelt haben. Der VI. Kongress stand unter dem tragischen Eindruck der offiziellen Eröffnung unserer Parteileitung, dass die langjährigen, ausdauernden, opfervollen Bemühungen behufs Erreichung des zionistischen Zieles auf dem Wege einer aller Kolonisation vorangehenden öffentlichrechtlichen Sicherung der politischen Autonomie in Konstantinopel auf unübersteigliche Hindernisse gestossen hätten, dass also dieses System sich nicht durchführen lasse. Diese Tatsache zwang den Zionismus, sich um neue Wege umzuschauen, und nach einem Augenblicke der Ratlosigkeit boten sich zwei Wege dar: Er konnte entweder an Palästina festhalten, dann musste er das Programm einer im vorhinein gesicherten, politischen Autonomie aufgeben und eine andere Taktik einschlagen, oder aber er konnte an dem Prinzip der politisch im vorhinein zu sichernden Autonomie festhalten, dann musste er Palästina aufgeben. Es ist versucht worden, eine Lösung in Form eines Mittelweges zu finden, und aus dieser Tendenz heraus ist das Ihnen unter dem Namen „Nachtasyl" bekannte Ugandaprojekt, der Notbehelfstaat, erwachsen. Ich will diese Frage heute nicht berühren, weil der morgige Tag für diese Frage bestimmt ist. Aber soviel kann ich als bekannt voraussetzen, dass der Bericht der Uganda-Expedition von solcher Natur ist, dass die Hoffnungen, die ein gewisser Bruchteil unserer Partei darauf setzte, als zerschlagen zu betrachten sind. Was bleibt also dem Zionismus — ich spreche von dem überzeugungstreuen — übrig? Nachdem dieses Projekt und hoffentlich auch andere Projekte nicht m Erfüllung zu gehen bestimmt sind, bleibt uns nichts anderes übrig, als uns zur Erkenntnis durchzuringen, dass das Ziel des Zionismus nicht auf dem Wege über Afrika, Australien, Patagonien zu erreichen sei, sondern durch