Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 45)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 47 — I diesen Bericht einen doppelten Massstab anlegen. Man kann zunächst die I Leistungen des A. C. in quantitativer Weise abschätzen; aber ich fürchte, dieser Massstab wäre nicht der gerechte. Es würde uns vielleicht bei einer I solchen Abschätzung die Empfindung beschleichen, dass das, was tatsächlich ausgeführt wurde, für einen Zeitraum von zwei Jahren keine besonders grosse Leistung sei und wir könnten uns vielleicht nicht des ängstlichen i Gefühls erwehren, dass, wenn die zionistische Aktion auch ferner in j diesem Tempo fortgeführt werden sollte, die Erreichung des zionistischen I Zieles in weite Ferne gerückt werden würde. Ich wiederhole jedoch, dieser § quantitative Massstab wäre nicht der gerechte; denn die Zeit, die hinter | uns liegt, war eine anormale, eine Zeit der schwersten Erschütterungen, f deren Anlässe Ihnen bekannt sind; es war eine Zeit der inneren Entwicklung, j der Ueberzeugungskämpfe und programmatischen Klärung. Es ist selbst- | verständlich, dass in einer solchen Zeit nicht viel praktische Arbeit geleistet werden kann. Der Zionismus erinnert in dieser Epoche an den dänischen Prinzen Hamlet, welcher grübelt und sinnt und sich zur Tat nicht entschliessen kann. Endlich j ist die Klärung erfolgt, und diese gibt uns den Massstab zur richtigen Beurteilung der Tätigkeit des A. C. an die Hand. Wenn wir nach der geistigen, nach der moralischen Bedeutung der Schritte des A. C. fragen, wenn wir uns ihre politische Tragweite vergegenwärtigen, so können wir nicht umhin, festzustellen, dass diese Leistung eine bedeutsame ist. Denn die Schritte, I die das A. C. unternommen hat, bedeuten nichts weniger als die Inaugurierung einer neuen Taktik, einer neuen Methode der zionistischen Aktion, nichts weniger als die Eröffnung von Massnahmen, welche eine neue, und, wie ich glaube, viel aussichtsreichere und fruchtbarere Interpretation des Baseler Programms repräsentieren. Als vor zwei Jahren diese neue Methode von dieser Tribüne vorgeschlagen wurde, stiess sie noch auf eine — ich möchte sagen — organisierte Verständnislosigkeit, denn der Zionismus war (längst reif für sie. Nachdem sie aber — nicht durch die Macht der Worte, sondern durch die Macht der Tatsachen — den leitenden Männern.sich aufgedrängt hatte, führte sie als erste Frucht zu einer in der Geschichte der politischen Parteien beispiellosen und für uns besonders ehrenvollen Versöhnung zwischen der offiziellen Parteileitung und der Opposition. Ich nenne diesen Frieden einen ehrenvollen, denn hier war keine Seite die geschlagene und keine Seite die siegreiche. Im Interesse der gemeinsamen grossen Sache haben beide Teile ihre Schwerter in Pflugscharen umgewandelt. Meine Damen und Herren! Wenn wir vernehmen, dass das A. C. eine ernste, wenn auch vorläufig mit bescheidenen Mitteln ausgerüstete Palästina-Kommission nun endlich wirklich zur Tatsache werden Hess, wenn wir sehen, dass diese Körperschaft und neben ihr auch andere Körperschaften, z. B. der Nationalfonds und die Kolonialbank, endlich in Palästina § zu arbeiten beginnen, und zwar gleichzeitig auf mehreren Gebieten; wenn I wir hören, dass das A. C., welches früher mittelbar oder unmittelbar I einen heftigen Kampf gegen die anderen jüdischen Organisationen führte, 1 nun in einer Angelegenheit, in der des Ugandavorschlages, die anderen I Organisationen zur Mitarbeit eingeladen habe, und in einer anderen Sache, I der Auswanderungsfrage, tatsächlich mit ihnen gearbeitet hat, so müssten I wir unserer eigenen Ueberzeugung ins Gesicht schlagen, wenn wir an der I Tätigkeit des A. C. negative Kritik üben wollten. Hier bleibt der Kritik I nur die angenehme Seite, die der Würdigung und Beglückwünschung. I Es ist selbstverständlich, dass sowohl ich als meine Gesinnungsgenossen I dafür votieren werden, dass dem A. C. das Absolutorium erteilt werde. (PIort, hört!) Ich will rühmend hervorheben, dass das A. C. auch in einer anderen Richtung einem längst gehegten Wunsche Rechnung getragen, dass es durch