Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 32)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 34 — Gedanken und jede Handlung des A. C. seiner Kritik zu unterziehen, wodurch ihm wenig Zeit übrig blieb; seiner Aufgabe, die Agitation und Propaganda in diesem noch sehr empfänglichen Lande im grossen Stile zu betreiben, gerecht zu werden. Die. Folge davon war, dass die einzelnen Distriktskomitees, die wirklich arbeiten wollten, sich vom Landeskomitee mehr und mehr emanzipierten und der. letzte österreichische Parteitag ihre fast vollständige Selbständigkeit anerkannte und damit das Verhalten des L. C. nach Gebühr beurteilte. Von den österreichischen Distriktskomitees sind insbesondere die von Böhmen und Galizien als hervorragend.tätig hervorzuheben. (Bravo I) In Böhmen ist es endlich gelungen, die Lethargie der zumeist wohlhabenden und intelligenten Bevölkerung für jüdische Interessen zu brechen und die Juden dahin zu bringen, die unwürdige Nachlaufpolitik aufzugeben und ihre Arbeit und Mittel dem eigenen Volke zuzuwenden. In Galizien hat endlich die Organisation feste Gestalt angenommen und verspricht auf diesem Boden, der so aufnahmsf ähig ist, für den Zionismus die reichste Ernte zu bringen. Die Zionisten sind heute ein Faktor im öffentlichen Leben in Galizien geworden; es gibt fast keinen Kultusvorstand, in dessen Mitte nicht bereits Zionisten sässen. Und die zionistischen Forderungen müssen schon überall berücksichtigt werden. In Ungarn ist zwar noch nicht jene Verbreitung des Zionismus erzielt worden, wie sie bei der grossen Zahl der dort wohnhaften und dem Judentume noch treu ergebenen Volksgenossen zu erhoffen wäre, allein die Zahl der zionistischen Vereine nimmt von Jahr zu Jahr zu und die Organisation ist bereits ziemlich verbreitet. Eine Zahl orthodoxer Rabbiner hat sich neuerlich veranlasst gesehen, gegen den Zionismus eine Kundgebung zu erlassen. Dieses traurige Dokument ist aber nur das Werk des unglaublichen Terrorismus einiger Fanatiker, denen es gelungen ist, sogar notorischen Freunden der nationalen Bewegung die Unterschrift abzuzwingen. Die grosse Masse der ungarischen Orthodoxie ist dem Zionismus zugetan und wird in kürzester Zeit, wohl auch formell seinen Reihen sich anschliessen. Vielleicht kommt auch einmal den Kreisen der Assimilanten, insbesondere jenen, welche vermeinen, die Assimilation mit der Treue zum Judentum vereinigen zu können, die Erkenntnis, auf welcher abschüssigen Bahn sie sich befinden, wenn sie die Taufseuche in Betracht ziehen, die um sie herum in Budapest wie in Wien in geradezu epidemischer Weise grassiert.