Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 324 (sequence 325)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476266--2168-3478306- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Del. Dr. Nossig: Es war überhaupt niemand da! Präs. Dr. Herzl: Der Zwischenfall ist erledigt. Del. Dr. Ncssig: Also es wird mir das Wort verweigert? Ich konstatiere das! Präs. Dr. Herzl: Sie konstatieren da etwas ganz Unrichtiges. Ich habe Ihnen das Wort zur Geschäftsordnung gegeben, und Sie haben die Verhandlungen des gestrigen Tages so wenig gekannt, daiss Sie nicht wussten, dass dieser Punkt bereits vorgekommen war. Im übrigen erinnere ich Sie daran, Herr Dr. N o s s i g, dass Sie mir einen Zettel heraufgeschickt haben, in welchem Sie verlangt haben, Ihnen das Wort erst zu geben, wenn die Neinsager wieder im Saale seien. Da ich, Ihrem Wunsche entsprechend, Ihnen das Wort nicht geben konnte, als hiefür Platz gewesen wäre — wie ich es immer jedem, besonders den Herren von der Opposition gebe — hat einfach die Tagesordnung ihren Lauf genommen. Wir haben keine Spezialtagesordnung für Sie gemacht. (Beifall — Widerspruch.) Herr Dr. N o s s i g, ich bitte, jetzt von der Tribüne abzutreten, Sie haben nicht das Wort. Del. Dr. Nossig: Ich gestatte mir nur, dem Herrn Präsidenten in Erinnerung zu bringen, dass er mir öffentlich erklärt hat, die Debatte über das Zangwill-Referat werde sofort nach dem Referate Sokolows stattfinden. Das ist aber nicht geschehen. Präs. Dr. Herzl: Ich habe den Kongress befragt, welche Debatte er fortzuführen wünsche; es steht im Protokoll, dass ich nicht eigenmächtig verfahren bin bezüglich der Fortsetzung der Debatten, dafür gibt es auch Zeugen genug. Ich habe den Kongress darüber befragt und nur gesagt, dass wir glauben, die Debatte über den Nationalfonds und die Bank sollten vorangestellt werden, erstere, weil sie die grösste Anzahl von Rednern aufweist, letztere wegen der bevorstehenden Generalversammlung. Wir teilten aber gleichzeitig auch mit, dass noch andere offene Diskussionen bestehen, und zwar über das Referat Oppenheimer, ferner über die Referate S o k o 1 o w und Z a n g w i 11. Wenn Sie nicht im Saale waren .. . Del. Dr. Ncssig: Ich war zugegen! Präs. Dr. Herzl: Also worüber beklagen Sie sich denn? Del. Dr. Nossig: Darüber, dass Sie die Wahl nur zwischen dem Nationalfonds und der Bank gestellt haben. Präs. Dr. Herzl: Wenn Sie im Saale waren, hatten Sie umsomehr Gelegenheit, in diesem Augenblick, sowie jetzt zu sagen, Sie wünschten, dass darüber gesprochen werde. Und so wie jetzt, hätte ich Ihnen in diesem Augenblicke das Wort gegeben. Del. Dr. Nossig: Herr Präsident, ich wollte Ihnen entgegenkommen . . . (Heiterkeit.) Das war meine aufrichtige Absicht, und ich hoffe, dass Sie mir jetzt entgegenkommen werden. Präs. Dr. Herzl: Ich bedaure, Herr Dr. Nossig, dass ich den bisher ersten Augenblick Ihres Entgegenkommens versäumt habe. (Beifall.) Ich will Ihnen aber, wenn es die Versammlung erlaubt — denn ich bin nicht der Herr dieser Debatten, ich bin nur der Verwalter, der Ordnungmacher, der Hammer, der hölzerne — wenn die Versammlung es erlaubt, das Wort jetzt geben. (Lebhafte Rufe: Nein, nein!), und ich erlaube mir, es zu befürworten. Ich bitte Sie, Dr. Nossig das Wort zu geben (Lebhafte Rufe: Nein! Nein!), oder schränken Sie den Redner ein auf 10 Minuten. (Lebhafte Rufe: Nein! Nein!) Ich bitte Sie, Herrn Dr. Nossig das Wort zu geben. (Lebhafter Widerspruch.) Del. Dr. Nossig: Dann verzichte ich auf das Wort. (Lebhafter Beifall.) Präs. Dr. Herzl: Herr Dr. N o s s i g verzichtet jetzt! (Lebh. Beifall.)