Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 314 (sequence 315)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 314 — urteilt, sondern an dem Mörtelwerk herumgemäkelt, er hat verkannt, worauf es Herrn Dr. Oppenheimer ankam. Es waren zwei Punkte. Einmal liegt die Bedeutung des Oppenheimer'schen Referates darin, uns zu zeigen, wie man unter abnormalen Umständen ein Volk von allen Gegenden der Welt auf einen Punkt hinschaffen und dort ein Gemeinwesen im grossen errichten kann. Es war nötig, einmal ein solches Gebäude aufzustellen, weil die meisten rieht fähig sind, sich die Möglichkeit eines solchen Unternehmens vorzustellen. Dies war der eine Hauptpunkt des Bildes, das Herr Dr. Oppenheimer entworfen hat. Es kam ihm darauf an, zu zeigen, wie man aus einem Volk von Händlern, aus fluktuierenden Elementen ein bodenbeständiges Volk machen kann, wie ein altes, marodes, degeneriertes Volk sich neu beleben lässt, wie man ihm neues Blut einflössen und es bodenfest machen kann. Dies wird Herr Trietsch mit einer industriellen Kolonisation nie erreichen. Herr Trietsch kommt mit Gemüse und Wasser. Wenn Herr 1 rietsch so gütig wäre und uns auf El-Arisch Trinkwasser verschaffen könnte, so wären wir ihm dankbar, aber wenn das Trinkwasser nicht vorhanden ist, wäre es traurig um die ganze Geschichte. Ich habe nun noch ein Wort über Herrn Dr. P a s m a n i k zu verlieren. Herr Dr.Pasmanik meint, dass der Fehler des 0 p p e n h e i m e rschen Referates darin bestehe, dass er unser Volk zu einem Versuchskaninchen machen will. Ich bin dieser Ansicht nicht. Die Grundzüge des Planes, den Dr. Oppenheimer vor uns entworfen hat und der in den Hauptlinien mit dem übereinstimmt, was unser verehrter Führer in „Altneuland" dargelegt hat, sind aber meiner Ansicht nach dazu angetan, uns das Zutrauen einzuflössen, dass eine auf solcher Grundlage aufgeführte Ansiedlung mindestens so fest ist, als die nach der alten Methode, die allenthalben auf de»r Welt wackelig geworden sind. Ich glaube, dass Dr. Oppenheimer gezeigt hat, der Privatinitiative solle in der Ansiedlung kein Abbruch geschehen und wenn Dr. Pasmanik verlangt, dass die Förderung der Privatinitiative die Hauptsache ist, so hat Dr. Oppenheimer genügend betont, dass auch dieser in seiner Ansiedlung genügend Raum gegeben ist. Ich will nicht weiter auf die Hauptgrundzüge de.s Oppenheimer' sehen Planes eingehen, weil dem nur eine Kraft gerecht zu werden vermag, die so tiefe national-ökonomische Einsicht hat, wie Herr Dr. Oppenheimer, aber ich glaube, dass es notwendig war, einem Opponenten, der diese grossen Züge ganz vernachlässigt und sich nur mit Kleingemüse abgegeben hat, darauf hinzuweisen, dass das keine Opposition gegen die Ausführungen von der Bedeutung und Tragweite war, wie sie Dr. Oppenheimer brachte. (Beifall.) Del. Trietsch: Ich möchte mich zur tatsächlichen Berichtigung melden. Vizepräs. Dr. Bodenheimer: Sie werden dann noch das Wort bekommen. Das Wort hat Herr Sondheimer. Del. Sondheimer: Meine verehrten Damen und Herren! Ich muss vorerst mein Bedauern darüber ausdrücken, dass wir diese wichtigste Frage oder eine der wichtigsten im Kongress vor einer Besetzung besprechen, wie sie der Präsenzliste im deutschen Reichstage entspricht, aber doch auf zionistischen Kongressen noch nicht gang und gäbe war. Ich möchte nun zur Sache kommen und mich den Anschauungen des Herrn Dr. Franz Oppenheimer zuwenden. Vizepräs. Dr. Bodenheimer (unterbrechend): Ich habe mir eben berichten lassen, dass Sie einen Vergleich gebraucht haben, den ich doch nicht für angemessen erachte. Sie werden selbstverständlich Ihre Aeusserungen zurückziehen. (Widerspruch und Lachen. — Ruf: Das war doch nichts Beleidigendes! — Lebhafte Zwischenrufe.)