Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 315 (sequence 316)
- Language
- German, English, Hebrew
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- 315 — Sie haben einen Vergleich gebraucht, wie mir berichtet wurde, den ich nicht für passend halte. Del. Sondheimer (fortfahrend): Dr. Franz Oppenheimer glaubt, dass wir die Kolonisation in Palästina beginnen müssen mit einer Agrarkolonisation, Herr T r i e t s c h wieder sagt, mit einer industriellen. Ich meine, dass die Wahrheit ziemlich in der Mitte liegt. Man muss mit Agrarkolonisation beginnen schon aus dem Grunde, weil Industrie in dem Lande nicht gut möglich ist, wo Landwirtschaft zu wenig vertreten ist. Andererseits ist es aber auch für den Absatz der Landwirtschaft notwendig, industrielle Betriebe zu gründen, damit die Landwirtschaft für ihre Produkte einen raschen und sicheren Absatz findet. Das erste und wichtigste ist jedenfalls immer die Landwirtschaft. Ein neues Land kann wohl ohne Industrie, aber niemals ohne Landwirtschaft leben. Ich möchte also empfehlen, dass man die Landwirtschaft beginnen soll, aber möglichst bald mit der industriellen Entwicklung nachkommen soll. Einen anderen Punkt aus dem Referate des Herrn Dr. Franz Oppenheimer möchte ich. angreifen. Herr Dr. Oppenheimer ist, wie wir aus seinen national-ökonomischen Schriften wissen, sonst ein begeisterter Freund des Genossenschaftsbetriebes und es hat mich daher gewundert, das derselbe hier einen gewissen Eigenbetrieb zulässt, wenn auch, wie er meinte, in einem sehr geringen Masse, indem er sagt, es solle jenen Kolonisten, die es wünschen, so viel Garten- und Feldland in eigene Regie und Verantwortung gegeben werden, als sie in den Stunden, die ihnen die Arbeitspflicht des Grossbetriebes lasise, mit Hilfe ihrer Familie und den Kräften des Grossbetriebes bewirtschaften könnten. Das klingt alles sehr schön und gut, aber ich glaube, dass das den Genossenschaftsbetrieb zum Teile wieder aufhebt, denn es ist sehr schwer festzustellen, ob jemand für den Einzelbetrieb oder für den Grossbetrieb arbeitet. Wenn man sich das praktisch vorstellt, so ist es, glaube ich, überhaupt nicht auseinanderzuhalten, was Genossenschaftsbetrieb bei einem einzelnen ist und was Privatbetrieb. Und weiter. Da nun einmal die Menschen nicht gleich sind und der eine vielleicht mehr Kraft bei seiner Arbeit anwendet als der andere, kann er in seinem eigenen Privatbetriebe mehr schaffen und ihn zu Ungunsten des zweiten ausdehnen. Dadurch wird der eigentliche Genossenschaftsbetrieb, den Oppenheimer vor Augen hat, illusorisch. Man müsste also meiner Ansicht nach unbedingt an dem Genossenschaftsbetriebe festhalten und den Privatbetrieb unter keinen Umständen zulassen. (Widerspruch.) Das ist Ansichtssache. Die Genossenschaft bietet ja in vieler Beziehung die grössten Vorteile und gerade in einem Lande, das neu erschlossen wird, wird sie mehr Vorteile bieten, als der Einzelbetrieb, bei dem man allein nicht recht vorwärts kommen kann. Es ist dann weiter zu sehen, dass das einzelne Mitglied der Genossenschaft einen möglichst kleinen Kreis zu bewirtschaften bekommt, denn ich halte viel mehr von intensiver als zu extensiver Arbeit. Das sind vielleicht Kleinigkeiten, allein ich wollte es nicht unwidersprochen lassen, dass Privatbetrieb, wenn auch in beschränkter Form, zugelassen werden soll. Meine Ansicht ist die: Privatbetrieb muss aufhören; nur Genossenschaftsbetrieb darf sein. Vizepräs. Dr. Bodenheimer: Da sich keine Redner mehr gemeldet haben, schliesse ich die Debatte über diesen Punkt. Del. Trietsch: Herr Präsident! Ich hatte mir zu einer tatsächlichen Berichtigung das Wort erbeten. Vizepräs. Dr. Bodenheimer: Ich bitte. Del. Trietsch: Ich kann wohl bei dem grossen Publikum von hier aus sprechen. (Spricht von seinem Delegiertensitze aus.) Ich wollte einiges