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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1903-01-01 · 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903 · p. Seite 311

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
Date
1903-01-01
Page
Seite 311 (sequence 312)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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Nun mache ich Sie darauf aufmerksam, dass ein allgemeines Referat über Ansiedlungen und Kolonisation auf dem Zionistenkongresse gar nichts zur Sache hat, wenn wir es nicht für unser Beispiel brauchen können. Was sollen wir als Zionisten, die wir auf dem Baseler Programm fussen, mit Grundsätzen anfangen, die für Amerika gelten mögen oder für neu zu erschliessende Länder in Australien. Ich sage absichtlich nicht: Ostafrika, damit mich der Herr Vorsitzende nicht zur Ordnung ruft. Wir haben nichts mit solchen uferlosen Ideen zu tun, uns interessiert die Kolonisation von Judenmenschen und Judenland, denn wir stehen auf dem Baseler Programm. Möglich, dass die Notwendigkeit dazu zwingt, in Ostafrika anzufangen, dann würde das auch Judenland sein, aber unrichtig ist es jedenfalls, mich auf das absolut Allgemeine zu beschränken. Sie werden mir auch zugeben, dass die ganze Kolonisationsfrage, wenn wir sie nicht ausschliesslich theoretisch betrachten — und das wäre falsch — uns dann in einem andern Lichte erscheinen wird, wenn das, was Oppenheimer allgemein gesagt hat, gerade auf unsern Fall nicht zutrifft. Oppenheimer hat auch gesagt, dass wir Handwerkerstädte haben werden mit Baumpflanzungen ringsum; er meinte aber, dass man anfangen würde mit den Bauern und dann werden die Handwerker kommen und sich zu Dörfern und kleinen Städten gruppieren. Solche Handwerkerstädte werden, bedingt durch den landwirtschaftlichen Anfang, etwas freundliches an sich haben und einen gewissen Grad von Landwirtschaft in sich einbegreifen. Ich habe gesagt, dass wir vielleicht mit industriellen Kolonisationen anfangen müssen, und es gibt auch einen Weg von der Industrie zur Agrikultur, nicht nur den primitiven von der Agrikultur zur Industrie. In unserm Ausnahmefalle, den wir einmal vor uns haben, wird sicher der Weg von Industrie zur Landwirtschaft eine grosse, vielleicht eine grössere Rolle spielen und ich sehe nicht ein, warum wir nicht mit industriellen und städtischen Ansiedlungen anfangen sollen, die nicht gebaut sein müssen wie die Städte, wie wir sie hier kennen, wie diese engen, schmutzigen, dürftigen Fabrikstädte. Wir haben heute schon in England eine ausserordentlich kräftige Bewegung für die Gartenstädte. Wir haben in England gesehen, wie weitsichtige Fabrikanten ihre Fabriken aufs Land verlegt haben. Sie haben den grossen Vorteil, dass sie für ihre Fabriksetablissements den Boden sehr billig bekommen, dass die Arbeiter in einem engeren Rayon bei der Fabrik wohnen als in der Stadt, in einem engeren Konnex stehen mit der betreffenden Fabrik oder der kleinen Gruppe von Fabriken, die Gartenstädte bauen. Das Experiment der Gartenstädte hat in England jetzt schon wundervolle Resultate gehabt und die Bewegung ist ausserordentlich stark im Steigen. Auch in Deutschland fängt die Gartenstadt-Bestrebung an. Warum sollten wir nicht diese gesunde Art von industrieller Aibeit berücksichtigen? Warum sollten wir das nicht tun, die wir uns die modernsten Formen der Volkswirtschaft zunutze machen können? Ich würde folgenden Weg voraussehen. Nehmen Sie an, wir hätten ein bestimmtes Land, wo man anfangen könnte. Das Land eignet sich nicht für Agrikultur — ich nenne kein bestimmtes Land — sagen wir. es sei nicht genug Wasser da, dann werden wir ein industrielles Gemeinwesen gründen. Wir werden beim Bau der Niederlassung schon so vorgehen, dass Raum genug ist für Bäume, für Gemüsebeete usw. Eine solche Ansiedlung wird an ihrer Peripherie immer weitläufiger gebaut werden können, so dass sich bald ein Bild ergeben wird, ähnlich wie in kleinen Landstädten, die an ihrer Peripherie Ackerbürger und weiter hinaus Bauern haben. Nun scheint mir, dass, wann, wir diese Frage genügend in Erwägung ziehen, das ganze Bild der zionistischen Landpolitik sich doch etwas verändert.

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