Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 308 (sequence 309)
- Language
- German, English, Hebrew
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Del. Trietsch: Das sind eben wenige. Die russischen Herren haben vielleicht Dinge zu besprechen, die sie für wichtiger halten. Das benimmt doch diesem Gegenstande die Wichtigkeit. Vizepräs. Dr. Bodenheimer: Es sind auch russische Delegierte da. Del. Trietsch: Ganz wenige. Das werden kerne Delegierte sein. Vizepräs. Dr. Bodenheimer: Ich bitte, Herr Trietsch, fortzufahren. Es kommt ja alles zur Kenntnis der Herren, denn es kommt ja in das Protokoll. Del. Trietsch: Entschuldigen, nach dem Protokolle wird doch in diesem Kongresse nicht abgestimmt. Vizepräs. Dr. Bodenheimer: Haben Sie einen Antrag? Del. Trietsch: Es wird darauf hinauslaufen. Es wird wenigstens die Stimmung des Kongresses zu beeinflussen geeignet sein. Vielleicht könnte man die Sitzung aufschieben. Vizepräs. Dr. Bodenheimer: Der Kongress hat eine Nachtsitzung beschlossen. Was man darunter zu verstehen hat, haben wir in jahrelanger Praxis erfahren. Del. Trietsch: Dann würde ich um folgenden Modus bitten: Könnten vielleicht morgen die Thesen verlesen werden? Vizepräs. Dr. Bodenheimer: Ja! (Ruf: Das wird zu lange dauern!) Del. Trietsch: Die Verlesung der Thesen dauert 1 Minute. Vizepräs. Dr. Bodenheimer: Die Thesen morgen! Bitte, fahren Sie jetzt fort! Del. Trietsch (in seiner Rede fortfahrend): Bei unserem verfügbaren Material an Menschen und Land dürfte hier die Regel, dass mit agrikultureller Kolonisation begonnen werden muss, eine Ausnahme finden, und es wird sich als notwendig erweisen, auch die industriellen Kolonien in Betracht zu ziehen. Es ist ein merkwürdig wichtiges Thema, von dem ich hier spreche. Ich halte es dafür, vielleicht kann ich Sie ebenfalls überzeugen. Sobald wir es einmal einsehen, dass für unsern Fall eventuell die industrielle Kolonisation in Betracht kommt, so verschwindet Ostafrika in weiter Ferne und das abgelehnte El-Arisch kommt wieder in den Vordergrund. (Widerspruch.) Ich meine das so. Herr Dr. H e r z 1 hat gesagt, dass nach dem Befund der Expedition nicht genügend Wasser in El-Arisch ist für eine Gross-Kolonisation. Nun gebe ich zu, dass für eine Grosskolonisation viel Wasser nötig ist. Aber uns kommt es darauf an, möglichst vielen Juden mit möglichst wenig Geld in möglichst kurzer Zeit zu helfen. Dazu ist die agrikulturelle Kolonisation mit ihren grossen Kosten nicht geeignet. Wenn wir uns heute überlegen, dass die Städte am Suezkanal, Port Said, Ismaila, Suez, einen ausserordentlichen Aufschwung gehabt haben in der letzten Zeit durch Manufaktur-Industrie, so müssen wir uns überlegen, ob nicht El-Arisch auch ein blühender Industrieort werden kann. Und es gibt zahlreiche Industrien, zu denen man nicht Wasser braucht, z. B. die Zigaretten-Industrie, mit der die Juden in New-York, in London und an vielen Orten sich ausserordentlich stark beschäftigen. Aber noch könnte ich Ihnen hunderte von Industrien aufzählen, zu denen Wasser in nennenswerten Mengen nicht nötig ist. Trinkwasser will ich mich verpflichten, aus dem in El-Arisch verfügbaren Wasser zu stellen. (Ruf: Moses! — Schallende Heiterkeit.) Vizepräs. Dr. Bodenheimer: Herr Trietsch, ich werde darauf aufmerksam gemacht, dass Sie über die Besiedlung eines bestimmten Gebietes sprechen, während Dr. Oppenheimer über allgemeine Ansiedlung sprach. Ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, dass — meiner