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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1903-01-01 · 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903 · p. Seite 307

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
Date
1903-01-01
Page
Seite 307 (sequence 308)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 307 — erfolgt.) Die Debatte über die Referate Zangwill und Sokolo w ist geschlossen. Wir gehen über zur Diskussion über das Referat des Herrn Dr. Oppenheimer. Zunächst hat sich zum Wort gemeldet Herr T r i e t s c h. Es ist der Antrag gestellt worden, die Redezeit in der Debatte über das Referat des Herrn Dr. Oppenheimer auf 10 Minuten zu bestimmen. Del. Trietsch; Das kann nicht geschehen, nachdem der Redner bereits aufgerufen ist. Vizepräs. Dr. Bodenheimer: Ich werde die Versammlung befragen, ob sie einverstanden ist, dass Sie länger sprechen. Del. Trietsch: Ich habe ja schon das Wort! Vizepräs. Dr. Bodenheimer: Bitte, beginnen Sie. Ich werde über den Antrag nachher abstimmen lassen. Del. Trietsch: , Meine Damen und Herren! In Bezug auf das Referat von Dr. Franz Oppenheimer habe ich einige Einwendungen zu machen. Es ist selbstverständlich, dass ich mit dem Referenten, mit dem zusammen ich Gelegenheit hatte, bei Begründung der jüdischen Orient-Kolonisations- Gesellschaft viel zu arbeiten, bei den weitaus meisten wesentlichen Fragen durchaus übereinstimme. Trotzdem wird es notwendig sein, für unsern speziellen Fall einige Einwendungen zu machen. Herr Dr. Franz Oppenheimer hat gesagt: „Die Grundlage einer Kolonisations-Tätigkeit muss die agrarische, sein." Nun möchte ich fragen: Muss in jedem Falle das gelten? Ist das eine absolute Forderung? Wir Juden sind in einer sehr viel anderen Lage, als alle anderen Völker, die Staaten gebildet haben. Ueberiegen Sie sich das einmal: Bei allen anderen Staatenbildungen handelte es sich um ein rohes, primitives Menschenmaterial. Das waren, was man so nennen konnte, kaum Menschen, Menschen auf der niedersten Kulturstufe. Wir Juden haben kein so primitives, robustes Menschenmaterial. Unsere Kolonisation rechnet mit dem jüdischen Emigranten-Material, und das sind Jceine robusten, primitiven Leute, sondern meist ausgemergelte Städtebewohner, Handwerker, Hausierer, Leute von schlechter physischer Beschaffenheit. Aehnlich schlecht wie unser Menschenmaterial in physischer Beziehung ist das Land, mit dem wir beginnen müssen; denn ernstlich wird wohl niemand in diesem Saale glauben, dass wir eine Auswahl von Ländereien irgendwo in Afrika haben, das ist nicht der Fall. Wir mögen Expeditionen und Kommissionen beschliessen, wie wir wollen, der Anfang wird nicht in Ostafrika sein. Wir haben, um anzufangen, nur Palästina und von Palästina, wie mir scheint, einen sehr schlechten Teil, El-Arisch. Wir haben also ein Land, das wesentlich eine Art Wüste ist, nicht viel besser, und wir haben Menschen,, die sich nicht für die agrikulturelle Kolonisation von vorneherein eignen. Herr Dr. Oppenheimer hat gesagt: „Bauern muss schaffen, wer Städte gründen will." Für das allgemeine Menschenmaterial stimmt das, für das unsere stimmt es nicht. Da wir mit Handwerkern und Hausierern und Kaufleuten zu tun haben, so wäre es unnatürlich, wollten wir unsere Kolonisation agrikulturell beginnen, da wir nicht die Auswahl haben von fruchtbaren Ländern, sondern da uns nichts zur Verfügung steht als etwa El-Arisch, so können wir nicht agrikulturell beginnen. (Unruhe. — Viele Delegierte verlassen den Saal.) Ich möchte zur Erwägung stellen, ob es tunlich ist, bei einem so leeren Hause über ein so wichtiges Referat zu sprechen. (Ruf: Dr. Oppenheimer ist ja auch nicht da!) Das wäre weniger wesentlich. Er ist bereits abgereist. (Rur: Das ist nicht wahr!) Vizepräs. Dr. Bodenheimer: Die Herren Delegierten, die hier geblieben sind, haben jedenfalls auch ein grosses Interesse an der Sache. 20*

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