Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 283 (sequence 284)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 283 — Del. Dr. Tschlenow (mit lebhaftem Beifall begrüsst): Unser verehrter Freund Kremenezky hat heute ein richtiges Wort ausgesprochen, indem er sa^te, es ist über den jüdischen Nationalfonds sehr viel gesprochen, es sind sehr viele Reden gehalten, aber es ist verhältnismässig sehr wenig für denselben getan worden, ich kann diese Ansicht nur vollinhaltlich teilen. Ich bin Vorsteher eines Rayons in Russland, der nicht weniger und nicht mehr arbeitet als die übrigen, und ich kann sagen, dass dieser Rayon im Laufe der Zeit 12 Prozent der Gesamtsumme geleistet hat soviel, als England, Nordamerika und Rumänien zusammen. (Lebhafter Beifall.) Ich bin aber mit meiner Tätigkeit, mit der Tätigkeit meines Rayons zugunsten des Nationalfonds, nicht zufrieden, muss jedoch sagen, dass die Kollegen in den übrigen Ländern mit ihrer Tätigkeit auch nicht zufrieden sind. (Bravo, Bravo!) Ich habe wenig Zeit, und ich denke, es ist auch nicht nötig, vor Ihnen zugunsten des Nationalfonds zu sprechen. Denn gute Reden sind schon viele gehalten worden. Ich halte es aber für meine Pflicht, Sie aufzufordern, alle Ihre Kräfte dieser wichtigsten, praktischen Aufgabe zu widmen. Ich will aber noch etwas sagen. Es sind solche da, die für den Nationalfonds arbeiten und mit den Resultaten nicht zufrieden sind. Diese führen uns zwei Gründe an und berufen sich dabei auf die Beschlüsse des Minsker Delegiertentages. Herr Bruzkus hat sich beschwert, dass die Beschlüsse des Minsker Delegiertentages nicht bekannt sind. Als Vorsitzender desselben bemerke ich, dass alle Beschiiisse dem A.-C. und dem Aufsichtsrate und auch schon in der Oeffentlichkeit bekannt sind. Diese Beschlüsse lauten, dass der Nationalfonds mit dem Beginne des Ankaufe» in Lrez-Lsracl mcm cLbwacva soll, bis zwei Millionen Rjbei gesammelt sind, sondern in dem Momente beginnen soll, wenn es das A.-C. für zweckmässig hält. Diesen Beschluss kann ich nur mit grösstem Eifer unterstützen und ich muss sagen, dass, wenn der Nationalfonds in Palästina Boden zu kaufen beginnt, wir viel mehr Einkünfte zugunsten dieses Fondes haben werden, als dies jetzt der Fall ist. (Allgemeine Zustimmung.) Unser Volk versteht gute Reden. Noch viel mehr versteht es aber die guten Taten; was wir jetzt leisten müssen, ist, dass wir mit dem Ankauf von Boden in Erez-Israel so schnell wie möglich beginnen. Es hat mich sehr gefreut, aus dem Vortrage des Herrn Dr. Farbstein zu hören, dass man auch in Wien und in der N.-F.-Com. zu der Ueberzeugung gekommen ist, dass man den Landankauf nicht bis zu dem Momente aufschieben kann, bis man 200 000 Pfund Sterl. hat, sondern dass man dazu schreiten solle, wenn eine Dreiviertel-Majorität des Aufsichtsrates es für gut findet. Meine Herren! Eine Dreiviertel-Majorität — ich kann Ihnen das auf Grund meiner langjährigen Praxis als Aufsichtsratsmitglied sagen — ist zu viel verlangt. Wenn man die Sache nicht auf Worte beschränken und wirklich die Möglichkeit geben will, etwas zu tun, so soll man bestimmen, dass ebenso wie bei allen anderen Beschlüssen des Aufsichtsrates die einfache Majorität genügt. (Lebhafter Beifall und Händekl.) Es ist im Projekte gesagt worden, dass die Hälfte der jährlichen Einkünfte des N.-F. nicht in Verwendung genommen, sondern zu einem besonderen Fonds gesammelt werden soll. Ich begreife es, dass man für den Moment, wo wir in Palästina eine zweckmässige und grosse Kolonisation werden in Angriff nehmen können, Gelder sammeln muss, aber wir haben einen noch viel wichtigeren Zweck, und das ist der, möglichst viel Boden in jüdische Hände zu übertragen, und deshalb bin ich der Meinung, dass man nicht die Hälfte der Einkünfte des N.-F. zu diesem Zwecke aufbewahren soll, sondern nur ein Fünftel oder ein Viertel. (Beifall.) Ich halte dies für umso dringender, als ja die Bedingungen für eine praktische Tätigkeit in Palästina für uns leider noch nicht so günstige sind, als wir es wünschen würden. An-