Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 245 (sequence 246)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 245 — normalen Volkes möglich, ja notwendig ist, hier bei so verschiedenen Verhältnissen ausgeschlossen; aber wenn auch diesseits von konkreten positiven Vorschlägen keine Eede sein kann, wer wollte leugnen, dass der Zionismiis national grossphilanthropischen Gehalt im eminentesten Sinne hat, dass derselbe wie nichts anderes fähig ist, den Boden zuzubereiten, auf dem eine Gesundung unseres Volkslebens sich vollziehen kann? (Beifall.) Die Erkenntnis, dass mit wirtschaftlichen Massnahmen allein nicht geholfen ist, sondern dass die Kraft und die Tüchtigkeit eines Volkes sehr wesentlich durch sein Ehrgefühl bedingt ist, ist heute schon in weiten gebildeten Kreisen unseres Volkes anerkannt und man stimmt mit ein in die Forderung, dass der Zionismus die banale Philanthropie vertiefe und veredle. Und nun komme ich zu dem Zusammenhang zwischen Philanthropie und Zionismus. Man kann diesen Zusammenhang ganz einfach finden. Ich gestehe, dass er mir im ersten Augenblick als eine tendenziöse Uebertreibung schien. In der Wirklichkeit ist es aber nicht so. Man kann ohne extrem zu sein, dreist behaupten, dass es gut und billig wäre, wenigstens einen Teil der Summen, die im Osten von Juden auf jüdische Zwecke ausgegeben, zur Erreichung des zionistischen Zieles zu widmen. ISTur Wenige haben einen Begriff von den Grössen der Summen, welche die Gemeindebedürfnisse und darunter die Kleinphilanthropie verschlingen. Nach den mutmasslichen Berechnungen eines ausgezeichneten Kenners dieser Verhältnisse, des Herrn Marek aus Maskau, beträgt die spezielle Judenbesteuerung, die an Ritus und Wohltätigkeit sich knüpft, in Littauen 2 E. 50 Kop., in Südrussland 4 E., im Innern Eusslands von 4—5 E. durchschnittlich, also 3 Eubel pro Kopf. Es ist eine Summe von 15 Millionen pro Jahr. Wenn man die Unterrichtskosten in den speziell jüdischen Anstalten, die Herr Marek gegen 10 Millionen Eubel schätzt und sonstige Ausgaben hinzufügt, so ergibt sich eine Summe von 30 Millionen pro Jahr, die die Juden, weil sie Juden sind, ausser allgemeiner Steuer entrichten. Und diese Schätzung ist nicht übertrieben. Nein, sie ist minimal klein, weil sie sich nicht nur auf offizielle Daten stützt. Tatsächlich lässt sich jüdische Kleinphilanthropie gar nicht berechnen. Vergebens bemüht sich die Statistik, das die ganze Atmosphäre der jüdischen Easse ausfüllende Schaffen in Ziffern und feste Rubriken zu fassen. Es ist ungreifbar, überall vorhanden, mit jeder Tätigkeit verknüpft. Man versuchte zum Beispiel die Ziffern der Mazzes-Verteilung an dem Passahfeste (Kimcho d'pyscho) als Pauperismusmesser zu benützen. In .der trefflichen Abhandlung Janowskis wird die Zahl der jüdischen Paupers, das heisst derjenigen, die bis zum Bettelstab herabgekommen und gezwungen sind, von der Gemeinde Kimko d'pyscho zu erhalten, 19 Prozent der jüdischen Bevölkerung beträgt. In der Tat wissen wir aber, dass, wie z. B. bei uns inWarschau und in vielen anderen Städten