Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 245)
- Language
- German, English, Hebrew
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- Isaiah 1× ep/1005097
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— 244 — oder Verstössen, von seiner natürlichen Genossensehaft auf Grund irgend welcher Statuten zurückgewiesen und dem Golus schutzlos preisgegeben. Tatsächlich ist es aber nicht so schlimm, weil die Juden besser sind als ihre Gemeinden, das jüdische Herz edler als die Bestimmungen der Vereine. (Lebhafter Beifall.) Hier bin ich zu einem Punkte angelangt, der den Grundunterschied zwischen jüdischem Volkstum und offiziellem Bepräsentantentum der Juden bildet. Dieser Unterschied ist historisch so alt, wie das jüdische Volk und tritt jetzt noch überall auf, wo Juden in grossen Massen sich sammelten. Wenn ein Arnos sich vorwiegend wider die mächtigen Grossen wendet, welche auf den Armen herumtreten und darnach trachten, die Dulder zu vernichten, wenn ein Jesaja für die kommende Zeit gerade den Armen die grösste Freude in Gott verheisst, wenn die Psalmen den Keichen vor Gottes Vergessenheit und Hochmut warnen und Zephania ein gebeugtes und geringes Volk als das wahre Israel der Zukunft schaut, so ist dieses Ideal nicht unter den Grossherren des Judentums sogar mit ihren Spenden und Stiftungen, sondern in der Mitte des jüdischen Volkes zu suchen. Die Nachfolger des Kanals lassen sich sehr oft von äussern Gesichtspunkten leiten, welche die volkstümlichen in den Hintergrund drängen und zwar zeitweise so sehr, dass sie bis zur Verleugnung allgemein jüdischer Interessen kommen. Höchstens kann man ihnen für Kleinphilanthropie ein gewisses Verständnis beibringen, schwerlich für Grossphilanthropie, nie für nationale Bettung. Nachdem sie sich vom Boden des Volkslebens gelöst und eingeschlossen, kleine Gemeinschaften mit Lokalinteressen innerhalb der grossen Volksgemeinschaft gebildet haben, verloren sie den richtigen Massstab für volkstümliche Philanthropie. Es ist heute wohl allgemein anerkannt, dass nationale Erkenntnisse, nicht mechanischer Weise den Menschen übermittelt werden, sondern class die Organe herauswachsen aus den Lebensverhältnissen und Faktoren, unter deren Einfluss die Menschen stehen. Darum ergibt sich naturgemäss die Frage, welche Bedeutung diese eben skizzierten Erfahrungen für die nationale Erkenntnis der Juden gehabt haben. Einer der Grundpfeiler jüdischer Existenz war die gegenseitige Liebe, welche bei dem durchaus praktischen Charakter jüdischer Einrichtungen als ein sich fortwährend realisierendes Gefühl gedacht wurde. Werke der Liebe, der unmittelbaren, ungekünstelten natürlichen Liebe, müssen die jüdischen Einrichtungen der Wohltätigkeit sein. In neuerer Zeit hat man den Mechanismus des Modells allgemeiner Anstalten herangezogen und behauptet, dass aus demselben sich positive, konkrete Urteile für die Lösung der Judenfrage ableiten lassen. Es ist heute nicht meine Aufgabe, nachzuweisen, wie diese Position nach allen Seiten unhaltbar ist. Es bedarf ja auch nur eines eindringenden Nachdenkens über das Wesen und die Sonderart des Juden, um die Unrichtigkeit solcher Behauptungen zu erkennen; was eben auf dem Boden eines