Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 243)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 242 — oberer und Aliothfresser, heuchelnde Almosenverteiler" werden die Bosche-Kohal fast durchwegs schon in der beginnenden neuhebräischen Belletristik genannt. Es mag sein, dass die Schriftsteller absichtlich grau in grau malten, dass die Farben zu diesem Bilde aber nicht lediglich der Phantisie entnommen sind, zeigen Züge wie der erschreckende Bückgang der jüdischen Barmherzigkeit, welcher sich in der traurigen Epoche der von Kahals-Schergen betriebenen Knahenfängerei für den Militärdienst (Chotfim) und von allem die Liederfragmente der Volksdichter, welche in unbestechlichem Wahrheitssinn ein Spiegelbild ihres Tun und Treibens vor Augen stellen. Es kann doch nicht Zufall sein, class sämtliche Bosche-Kahal- Typen bei Joseph Babinowitsch, Lewanda, Abrahame-witsch, Smolensky und vielen andern negativ und abstossend sind. Ein Teil dieser wütenden rücksichtslosen Opposition könnte vielleicht auf Eingebungen des Parteihasses der um Freiheit ringenden Maskilim gegen die herrschende Strenggläubigkeit zurückgeführt werden, aber dieses Motiv genügte bei weitem nicht, den Blick so vieler Beobachter zu verdunkeln. Es handelte sich nicht um Mangel an Ghewroth, an Spenden und Almosen. Um etwas ganz anderes handelte es sich: um das -Erstarren und die Verknöcherung eines Systems. Freilich tragen auch die veränderten Lebensbedingungen zu diesem Verfall bei. In alter Zeit waren die Juden im Osten gering an Zahl und noch geringer an Einfluss, die Handwerker unentwickelt, der Kleinhandel war fast völlig in ihren Händen. Das änderte sich in demselben Masse als die autochtone. Bevölkerung die Handwerke zu organisieren und dem Handel sich zuzuwenden begann. Die Solidarität des Kanals musste als dem allgemeinen Interesse widersprechend und hindernd empfunden werden. Der Kanal konnte und durfte keine rationelle Wohltätigkeit treiben. Der wahre Volksschutz mir de unmöglich gemacht, daher wurde die Gemeindeverwaltung immer weniger volkstümlich. Das Geld ist allmählich zu einer Bedeutung gekommen, von der man vorhin keine Ahnung hatte. Die kleinen Leute wurden abhängig von den Grosshändlern, die oft in imbarmherziger Strenge die Schulgesetze in Anwendung brachten, die Zahl der Besitzlosen mehrte sich. Hand in Hand mit dieser Verschiebung des Besitzes zu Gunsten Einzelner, mit dieser immer mehr zur Geltung kommenden Macht des Geldes ging auch das Umsichgreifen einer heuchlerischen, psychisch armen und intellektuell zwecklosen Tätigkeit Derjenigen, die man in besser denkenden und tiefer fühlenden Kreisen als „Kahalniki" sarkastisch brandmarkte. Die sogenannten „breiten Menschen und die schönen. Juden", welche scheinbar Wohltätigkeit auf Wohltätigkeit häuften, erregtem den Ingrimm der Intellektuellen, welche in •derber Form sich gegen diese Eepräsentanten wendeten. Aber freilich, was konnte auf die Dauer auch die glänzendste Beredsamkeit dieser Männer fruchten? Haskalah-Apostel schwebten nicht nur als i