Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 241 (sequence 242)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 241 — 2. Das Armenhaus, der Hekdosch, der eine Unterkunftsstätte für die Obdachlosen, ein Nachtasyl und in seiner ursprünglichen Form auch ein Krankenhaus war. 3. Die Kahrungsversorgung (der „Tarne hu"), die primitive Form der Armenküchen. 4-. Die gastliche Aufnahme der wandernden Juden, Hachnasath Orchim, die nicht nur für verarmte, sondern auch für die vertriebenen und heimatlos Herumirrenden bestimmt war. An diese Grandinstitutionen reihte sich eine grosse Masse verschiedenartiger Anstalten. Der Hekdosch differenzierte sich zu Krankenhäusern, Asylen für Greise, für Unheilbare und Krüppel, Vereinen für Krankenpflege, B i k u r C h o 1 i m u. v. a. Dann kamen verschiedenartig gestaltete Vereine für Almosenverteilung, für zinslose Darlehen (Gemilus Chasodim), nebst einer langen Eeihe von Spezialvereinen für Handwerker, sogenannte Chevroth, die spezielle berufliche Bedürfnisse teils sozial, teils philanthropisch behandelten. Auch Hachnasath Orchim war mehr als eine Anstalt; es war ein Prinzip, aus dem sich eine Masse von Anstalten je nach dem Bedürfnisse entwickelte. Besonders erfolgreich sind diese Einrichtungen des alten Kanals freilich nie gewesen, einerseits scheiterte ihre Tätigkeit an der wachsenden Armut und an der Fruchtbarkeit des jüdischen Stammes, andererseits waren sie doch nicht ausreichend, um die vorhandenen Golus- Schwienigkeiten zu heben. Namentlich aus den Schriften über die Judenfrage in Polen am Anfang des achtzehnten Jahrhunderts erkennen wir deutlieh den immer weiter um sich greifenden Zersetzungsprozess der Kehiioth. Die Zeiten hatten sich eben gewaltig geändert. War die Kehila samt ihren Wohltätigkeitsanstalten früher eine um ihre bescheidene Existenz ringende Gruppe, welche kein höheres Glück kannte, ak sich um das Gotteshaus zu scharen und für jede Chevra eine Thorarolle schreiben zu lassen, so wird sie jetzt häufig genug in ökonomische Händel verwickelt und ihre i\otabeln strebten bald darnach, in Grossinachtsdünkel es Wojewoden gleich zu tun. So entstand das, was wir jetzt offizielles Judentum nennen. Die Grösse einer Gwirim-Misswirtschaft mit ihren Folgen können wir nicht nur aus unjüclischen, deshalb vielleicht parteiischen Schilderungen von Kahalsgegnern schliessen, wir haben auch höchst instruktive Dokumente, welche den gewaltigen Umschwung der Stimmung in den Kreisen der dämmernden Haskala dem Kanal gegenüber beweisen. Einst aus der Not der Zeit herausgeboren und als letzter Kettlingsanker in den Tagen nationaler Ohnmacht und Zerklüftung mit Freuden begrüsst, wurde der Kanal jetzt als Symbol der Vergewaltigung und Misswirtschaft seitens der hebräisch schreibenden Schilderer jüdischen Lebens aufs schärfste angegriffen. „Finsterlinge, kleine Tyrannen, ehrsüchtige Misraehwand- 16