Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 234 (sequence 235)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 234 — und vornehme Juden unsere armen und unglücklichen Brüder nicht übersehen haben (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.), dass sich die grosse Mehrzahl jener in besseren Umständen lebenden Glaubensgenossen im allgemeinen die Mühe nahmen, ihr wirklich Bestes für die unglückseligen Opfer der Unterdrückung und der Tyrannei einzusetzen •—■ aber leider ist es auch Tatsache, dass alle ihre Anstrengungen, alle ihre Bestrebungen, alle die bedeutenden Geldsummen, die sie spendeten, der Angelegenheit nicht viel Nutzen brachten; denn sobald wir die Judenfrage mit Ruhe und ohne Parteinahme betrachten — wie dies ja wirklich der Fall sein sollte — müssen wir leider zugestehen und den traurigen Schluss ziehen, dass die Lage des jüdischen Volkes unzweifelhaft heute schlechter ist, als sie es bereits ein halbes Jahrhundert früher war. (Lebhafter Beifall.) Ich bin mir wohl bewusst, dass es eine grosse Anzahl von Personen gibt, die eine solche Ansicht für falsch erklären, und die behaupten werden, dass die Juden der Gegenwart eine Menge Rechte und Privilegien gemessen, welche ihnen ehemals versagt blieben, und dass demnach ihre Lage als ungemein verbessert anzusehen sei. Aber mit aller Achtung für diejenigen, welche dieser Ansicht huldigen, möchte ich doch nicht unterlassen, anzuführen, dass, wenn sich auch die Juden der Gegenwart in manchen Ländern gewisser Rechte, wie zum Beispiel des Wahlrechtes erfreuen, welche ihnen in früheren Zeiten verweigert wurden — diese Rechte den Juden doch in den meisten Fällen weniger gewährt wurden, um sie als gleichberechtigt mit den übrigen Mitbürgern der besseren Klasse anzuerkennen, als vielmehr um eine sieh von selbst ergebende Konzession zu bekunden, die daraus entstehen musste, dass Regierungen, die sich stets ihrer- Verehrung für Freiheit und Gleichheit zu rühmen pflegen, logischerweise ihren jüdischen Untertanen nicht gut die Rechte versagen können, die sie ja allen anderen Ständen und Gesellschaftskreisen ihres Staates zukommen Hessen. (Lebhafter Beifall.) Dann gibt es einige unter unseren Gegnern, die da sagen, es seien gegenwärtig mehr Juden wie je zuvor mit hohen Titeln, Orden und Stellungen beteilt und damit sei wohl der Beweis geliefert, dass die ehemaligen üblen Gesinnungen gegen unsere Stammesgenossen mehr und mehr verschwinden. Aber hier sei es mir zu erinnern gestattet, dass, wenn es auch vollkommen richtig ist, dass es heutigen Tages mehr adelige, mit Dekorationen versehene jüdische Wurdentrüger wie vormals gibt, diese Auszeichnungen doch nur einen sehr geringen Prozentsatz des jüdischen Volkes, einigen Privilegierten, zukommen, dass aber die grosse Masse der Juden davon in keiner Wei*e berührt werde •—< und einzig und allein im, JSTamen dieser Masse appelliere ich an alle wahrhaften Söhne Israels, der zionistischen Agitation die vollste Unterstützung zukommen zu lassen. (Lebhafter Beifall.)