Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 211 (sequence 212)
- Language
- German, English, Hebrew
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- 211 — Ich möchte jetzt, damit kein Irrtum besteht, eine Feststellung machen: Ich persönlich habe kein Wort der Empfehlung für 0stuf rika; aus einem ganz einfachen Grunde: Ich weiss nichts von Ostafrika, ich ahne nichts davon. Ich habe über Uganda, über den Kilimandscharo und die andern in der Nahe der in Betracht kommenden Gegenden gelegenen Gebiete das gelesen, was ein gebildeter Europäer darüber gelesen haben m.uss. Aber ich gestehe, dass ich es mit zerstreutem Auge, ein bisschen obenhin gelsen habe. Ich empfehle Ostafrika nicht. Nie soll ein Jude sagen dürfen: Ich bin nach Ostafrika gegangen, weil Nordau mich hingeschickt hat. Ich schicke niemand hin. Das einzige, was ich sage, ist: Man spricht mir plötzlich von Ostafrika. Prüfen wir, was daran ist. Wenn es schlechtes Land ist, nicht daran rühren; wenn es gutes Land ist, dann wollen wir die Frage erwägen: Darf und soll der Zionismus sich mit dem Nachtasyl beschäftigen? Das Nachtasyl! Ich habe nicht gesagt: Nur Nachtasyl, nicht gesagt: Gorkisches Nachtasyl, wo Vagabunden zusammenkommen und in poetischer Stimmung oder mit dem schönen Ton der Selbstverständlichkeit, der den Erzählungen Gorkis so tiefe Wirkung gesichert hat, miteinander über ihre vergangenen Verbrechen, über ihre künftig geplanten Morde, zwischendurch über ihre Liebeserregungen und ihre allgemeine vage Menschenfreundlichkeit sprechen, nein, ich habe hinzugefügt —. und ich bin beschämt, festzustellen, dass dieses Wort an Ihnen vorübergegangen, von Ihnen abgeglitten ist, obschon Sie es nicht nur gehört haben, sondern es seitdem auch gedruckt haben lesen können —, dass unser Nachtasyl ein eigentümliches Nachtasyl sein soll, nämlich zugleich Nachtasyl und Erziehungsstätte. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Die Juden, die zu unserem Nachtasyl kommen, werden nicht mit einer Pritsche und einem Bissen trockenen Brotes abgespeist. Sie werden als Vagabunden eingeführt und drinnen zu Bürgern gedrillt, zu jüdischen Bürgern, nicht für Ostafrika, wenn es Ostafrika ist, nicht für ein anderes Land, wenn es ein anderes Land ist, sondern für Zion. (Lebhafter Beifall.) Was machen Sie denn jetzt? Worin besteht denn Ihre ganze zionistische Agitation? Darin, dass Sie hierher kommen und Lärm machen? Ist das alles? (Unruhe.) — Ich werde Ihnen, wenn nötig, uoch härtere Dinge sagen! — Sie arbeiten in aller Herren Ländern an der Erziehung von Juden zu Zionisten. Sie arbeiten daran, eine formlose chaotische Masse zu Bürgern zu erziehen. Was tunSie anderes, wenn Sie autonome Kolonien gründen, um dort dieses Erziehungswerk ungehinderter, gründlicher, zielbewusster, vollständiger auszuführen? (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Einer der Redner, Herr Diesenhof, der mir, nebenbei bemerkt, peisönlich besonders sympathisch ist, hat ein Wort gesprochen, das ich gut kenne: „Uns handelt es sich nicht um die Jtidem sondern U*