Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 211)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 210 — das Werk getan, gar nichts davon. Wenn man aber in einer britischen Besitzung unter einem. Charter mit dem Kechte der Selbstverwaltung eine Wildnis unter den Pflug nimmt und dort Kultur schafft, so hat man die Kultur für sich geschaffen. Der grosse Einwand läuft also darauf hinaus, dass Herr Wortsmann sagt: „Was, Ihr nehmt arme Leute und schickt sie in eine Weltgegend, wo sie reich werden? Das ist nicht zu dulden." — Auch dafür kenne ich eine russische Geschichte. Es seheint, dass man in Russland einen Kutscher umso höher schätzt und bezahlt, je stattlicher, fetter, grossbärtiger und schöner gekleidet er ist. (Heiterkeit.) Es kam nun ein armer Muschik zu einem vornehmen russischen Herrn und. bat um eine Anstellung. Der Mann war in ein zerrissenes Lammfell gehüllt und sah miserabel, verhungert, dünn und schlottrig aus. Er bekam eine Kutscherstelle mit 10 Rubeln im Monat. Nach drei Monaten war er ein Riese mit dreifachem Kinn, ungeheurem Bart, gewaltigem Bauch und einem wunderschönen Pelz. Da trat er vor seinen Herrn und sagte: „Ich habe dir einen grossen Gefallen getan und du bist mir grossen Dank schuldig. Ich bin elend und beinschlotternd, abgelumpt und verhungert zu dir gekommen. Jetzt bin ich dick und stark und schön. Dafür, wiederhole ich, bist du mir Dank schuldig,. und darum musst du mir mein Gehalt erhöhen/* (Heiterkeit.) Das ist ungefähr die Auffassung des Herrn Wörtsmann. Herr Dr. Levin erinnerte an Argentinien und die anderen Wohltätigkeitskolonien, wo ebenfalls Juden hingeschickt wurden, allerdings von Leuten, die keine Zionisten waren. Er fragte: Was ist der Unterschied zwischen dem Projekt, womit Sie uns kommen, und jenen andern, die der Zionismus mit Recht immer bekämpft oder als durchaus unzureichend hingestellt hat? Ihm. ist wieder ein kleiner Unterschied entgangen. Nach Argentinien und Kanada werden Juden in nicht jüdische Umgebung geschickt, um dort als Juden zu verschwinden, sich zu assimilieren, weiter die entrechtete Minderheit zu bleiben, die sie auch in den alten Ländern waren. Hier aber — wie konnte Ihnen dieses Moment entgehen! — handelt es sich darum, Juden nicht irgendwohin ins Blaue, nach Argentinien oder Kanada zu schicken, sondern nach einer Stelle, wo sie Juden sein, sich als Juden national ausleben, zu jüdischen Bürgern erzogen werden und ihren Kindern Gelegenheit bieten können, als Juden jüdisch heranzuwachsen. Glauben Sie wirklich, dass das dasselbe ist? (Lebhafter Beifall.) Hr. Dr. Levin hatte noch einen sehr mächtigen Einwand, und ich stelle fest, dass, als er das sofort zu zitierende Wort sprach, der ganze Saal in ein dröhnendes Beif allkatschen ausbrach: „Wozu brauchen wir Ostafrika?" fragte er; „wir haben Erez Israel." Ich freue mich, das zu erfahren. Bitte, geben Sie es uns doch, wenn Sie es haben. (Beifall.) (Del. Dr. Levin: Wir werden es Ihnen geben. — Unruhe. — Präsident Dr. Herzl gibt das Glockenzeichen.)