Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 207 (sequence 208)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 207 — (Rufe: Ja!) Wird es wirklich den modernen Hamans und Torquemadas gelingen, Israel zu vernichten? Nein, meine Herren, das jüdische Volk hat eine zu feste und gesunde Konstitution, auch wenn es kränklich aussieht; ein Volk, so gestählt "in Druck und Not, muss und wird leben, muss und wird die schlimmen Zeiten überdauern. Dass in der Zwischenzeit Opfer fallen? Das ist leider traurige Wahrheit! Aber grosse Ideale können nicht anders errungen werden. Und wenn wir Opfer scheuen, so werden wir das Grosse ine erreichen. Es ist wahr, das ist kein Trost für diejenigen, die auf dem Schlachtfelde bleiben .... Präs. Dr. flerzl: Sie müssen schliessen! Es ist beschlossen worden. 15 Minuten Redezeit zu gewähren. Die sind um. Ich kann davon nicht abgehen. Del. Heinrich Rosenbaum: Vielleicht gestattet der Kongress, dass ich fortsetze. (Rufe: Schluss! — Fortsetzen!) Ich appelliere an Sie: (Schlussrufe.) Verlieren Sie nicht den Mut! Zersplittern Sie nicht Ihre Kräfte! Konzentrieren Sie all Ihre Tätigkeit auf die rasche Erlösung des Jüdischen Volkes im jüdischen Lande! Verlassen Sie die alte, treue Mutter, die seit 2000 Jahren auf unsere Rückkehr wartet, nicht! Sie versetzen ihr und dem grossen, 2000jährigen Ideale Israels den Todesstoss! Israel wird sich und seiner Mission für die Menschheit verloren gehen! Harren wir aus! Kämpfen wir weiter! Unsere Vorväter haben auf dem Scheiterhaufen mit dem „Schemah Jisroil!" ihren Atem ausgehaucht; wir, ihre Nachkommen, wollen nicht aufhören zu kämpfen für das uns teure Land, das uns und der Menschheit Erlösung bedeutet, wir wollen leidend, duldend weiterkämpfen, und bis zum letzten Atemzuge wollen wir ruten: Oid lo ow du tikwossenu! (Lebhafter Beifall.) Präs. Dr. fierzl: Damit ist die Rednerliste erschöpft. Herr Dr. N o r d a u hat das Schlusswort. (Stürmischer Beifall.) Dr. Nordau: Geeinte Versammlung! Im Laufe der langen und leidenschaftlich erregten Erörterung, die eben zum Absehlnss gekommen ist, habe ich häufig bei einzelnen Aeusserungen gelitten. Im ganzen aber hat sie in mir einen überaus erhebenden Eindruck zurückgelassen. Gerade die Länge, gerade die Leidenschaftlichkeit dieser Erörterung war der lebendigste und überzeugendste Beweis dafür, wie sehr bei uns die tiefsten Quellen des Gefühls zu sprudeln, zu rauschen, stürmisch hervorzubrechen beginnen, wenn an der Zionsfrage gerührt wird. Ich freue mich, Sie in dieser Seelenstimmung zu wissen. Temperamentvoll sind wir ja. Das ist bekannt. "Wir sind es in dieser Erörterung mehr als je gewesen. Und wenn das aus dem Gesichtspunkt parlamentarischer Ordnung nicht eben nützlich war, so schadete es im ganzen doch auch nicht viel. Jedenfalls ist mir die Erregung, die seit zwei Tagen in Ihren Reihen herrscht, ein vollgiltiger Beweis, dass Sie selbst in Ihrer Treue gegen Zion nicht wankend zu machen sind und dass Sie dieses Gefühl der Treue auch Ihren Kindern vererben werden. (Lebhafter Beifall.) Xun aber gestatten Sie mir, hinzuzufügen, dass Ihre Empfindlichkeit zu gross und Ihre Erregung meines Dafürhaltens unangebracht, weil missverständlich war. Es handelt sich bei der Frage, die Sie in diesen zwei Tagen erörtert haben, tatsächlich um drei verschiedene,