Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 207)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 206 — mich an den besonders in Oesterreich üblichen Gebrauch der langsamen Abschiebung eines unliebsam gewordenen Beamten unter Ernennung zum geheimen Hof rate; Ideal: Palästina; Wirklichkeit: Ostafrika Wie die Dinge heute stehen, müssen wir wirklich auf Palästina verzichten? Haben wir es schon nötig, uns einem fremden Lande zuzuwenden? Halten wir einmal Umfrage bei den im Volksleben am meisten in Betracht kommenden Faktoren; bei der Religion, der Politik und dem ökonomischen Faktor. In religiöser Hinsicht muss die Kolonisation in einem anderen Lande als Palästina für die Religionsjuden einen schweren Schlag bedeuten. (Beifall.) Ich weiss: Es werden sich Talmudweise finden, die sagen werden: Im Gegenteil, wir ziehen ein anderes Land vor; denn an Palästina können und dürfen wir nur in Verbindung mit Meschiach denken — wenn auch glücklicherweise schon auf den Esel verzichtet worden ist. (HeiterKeit.) Inzwischen ist jedes andere Land ebensogut. Meine Herren! Das Judentum hatte bis nun eine kuriose Sorte von Rabbinern zu verzeichnen, die sogenannten Washington-Jeruscholaim- Rabbiner. Den Washington-Jeruscholaim-Rabbinern ist Washington ihr Jerusalem geworden. Jetzt erleben wir in unserer Mitte plötzlich Ostafrikahierosolymiten. (Lebhafter Beifall und Heiterkeit.) Ich weiss, die Klerikalen werden für ein solches Projekt wohl zu haben sein, aber die wahrhaft Frommen im jüdischen Volke werden ein solches Zumuten von sich weisen, denn es bedeutet für sie das Untergraben der Fundamente ihres Glaubens, ihres Glaubens an die Zusage des Eloha- Israel, und sie, die Fjommen in Zion, sie werden ihre Stimme erheben, und sie werden diejenigen hart anklagen, die das Zionsbanner im Stiche lassen und sich neuen und fremden Göttern zuwenden wollen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wir haben gestern hier das merkwürdige Schauspiel erlebt, dass ein Herr Rabbiner Esra für Ostafrika ausnützen wollte. Wenn Esra heute in unserer Mitte wäre, diese Mauern würden widerhallen von harten und schweren Anklagen gegen die modernen Eiferer in Israel für Ostafrika.. (Beifall und Händeklatschen.) Wie stellen sich die politischen Zionisten zu dieser Frage? Es ist wahr, Dr. H e r z 1 hatte in seinem „Judenstaate" geschrieben, dass es gleichgiltig sei, wo immer der zukünftige Judenstaat geschaffen werde. Aber diejenigen, die politische Zionisten waren, bevor sie Herzlianer wurden, "die haben beim Lesen des „Judenstaat" an kein anderes Land als Palästina gedacht. Wir sagten uns, der Mann, der dieses Buch geschrieben, ist leider noch zu wenig mit dem jüdischen Leben vertraut, lassen wir ihn nur mit der jüdischen Wirklichkeit in Berührung kommen und er wird seine Ansicht ändern. Und so kam es auch. H e r z 1 hat später ebenso wie wir alle nur an Palästina als die einzige mögliche Heimstätte für das jüdische Volk gedacht (Zustimmung) und diesen Gedanken laut verkündet. Als Herzl den Ruf erschallen liess: Sammelt euch! — wohin wandte sich unser Blick? Nach Zion! Welches war unser Losungswort? Jerusalem! Wofür kämpfen wir? Für das hehre Ziel: Das jüdische Volk im jüdischen Lande! Eine Heimstätte in der Heimat! (Lebhafter Beifall.) Ihr wollt Teile des jüdischen Volkes nach Ostafrika führen? Nun, das ist eine philantropische Privatangelegenheit, die uns Zionisten als Privatleute wohl interessieren kann und muss, ebenso wie ein grosser Teil von uns sich tätig und fördernd an den von der Ica im Osten geschaffenen ohilantropischen Institutionen beteiligt, aber auch nichts weiter! Es wird behauptet: Ja, die Not ist gross, wir können nicht mehr warten, das jüdische Volk geht zugrunde. Ist dem wirklich so? Läuft das jüdische Volk wirklich Gefahr, in der nächsten Zeit exterminlert zu werden?