Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 202 (sequence 203)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 202 — gefallen. Ich lasse mir daraus keinen Vorwurf machen, einer besseren Einsicht soll man sich niemals verschliessen, und der Kongress ist noch am Sonnabend nicht der Meinung gewesen, der er Sonntag war, nachdem er Dr. H e r z 1 s Rede gehört hat. (Zustimmung.) Wir haben auch zuerst eine andere Meinung gehabt, und es werden viele mit mir sein, die lange Zeit in ernstem Kampfe mit sich gewesen sind. Nicht ich bin umgefallen, sondern der Zionistenkongress würde umfallen und zusammenbrechen, wenn wir auf dieses Projekt auch nur eingehen. (Lebhafter Beifall. — Widerspruch.) Nicht die Redner, die gegen die Ueberweisung an eine Kommission gesprochen haben, haben mich bestimmt, hier gegen die Kommission aufzutreten, sondern die Redner, die für die Kommission gesprochen haben. (Beifall.) Jeder nachfolgende Redner war immer ein begeisterter Afrikaner als der vorhergehende, bei jedem Redner ist Zion mehr und mehr in den Hintergrund getreten. Es handelt sich nicht bloss um eine Beratung, es handelt sich um eine Tat, und Herr Dr. Kahn, der zunächst nur von einer Beratung gesprochen hat. hat refumiert: Was wir hier beschliessen sollen, ist eine Tat für den Zionismus. Also bei ihm ist Ostafrika schon beschlossene Sache. Wenn das hier vom grünen Tuche des Rednerpultes aus geschieht, was sollen wir draussen vom dürren Holze erwarten? Es handelt sich nicht um einen Nothafen und nicht um eine Kraftstation, sondern um ein Ersatzzion. (Lebhafter Beifall.) Und nun kommen Sie mit dem Mitleid mit den Juden, die im eisernen Ofen von Kischenew brennen. Glauben Sie, dass wir dieses Mitleid nicht fühlen, dass wir mit unseren Brüdern und Schwestern, die in Russland leiden, nicht das Mitleid haben, das Sie haben? Glauben Sie das ja nicht 1 Wir müssen in Berlin täglich Hand anlegen, um, wie in Libau, unsern Brüdern zu helfen, die zugrunde gehen. Aber etwas anderes ist es, unsere endgiltigen intschliessungen davon leiten zu lassen. Wir können heute unsere Leute auch nicht nach Palästina bringen, aber weil wir die Leute nach Kanada schicken müssen, werden wir uns entschliessen, Kanada als Zufluchtsort zu betrachten? Wenn wir diese Leute nicht mehr nach Kanada, Argentinien, den Vereinigten Staaten von Nordamerika schicken können, sondern wo anders hin, sagen wir nach einem Nordhafen dirigieren müssen, dann wird es sich darum handeln, dass wir als Kolonisten nicht die Hungernden auswählen, sondern die kräftigen Leute, wie bei jeder Kolonisation, und die Rückwanderung, die augenblicklich stattfinden wird, wird von New- York und Argentinien und auch von Zanzibar genau so stattfinden, wie von New-York und anderen Häfen des Westens. Wir können unser Herz nicht umkehren, aber aus Mitleid Folgerungen zu ziehen, die von politischer Tragweite sind, wäre der grösste Fehler, den wir machen können. Wo haben wir das Geld zu dieser Sache? Präsident- Sie müssen bald schliessen, Herr Doktor! Dr. Loewe: Sollen wir das Geld der Kolonialbank oder des Nationalfonds dazu hergeben? Man. verweist uns auf die Ica. Wenn die Ica diese Sache will, wird sie es tun, wenn nicht, nicht, aber wenn sie es wollen wird, haben wir ihr den Weg gewiesen. Vielleicht — hat man uns gesagt — ist es nicht zionistisch. Nein, es ist nicht zionistisch, es ist eine Durchbrechung des Baseler Programmes, und ehe ich einer solchen Aenderung des. Programmes zustimme, hätte ich meine Wähler fragen müssen. Wir müssen alle unsere Kräfte auf Palästina konzentrieren. Palästina ist uns jetzt viel näher als wir je gedacht hätten. Schon können wir darangehen, die ersten Haken einzuschlagen in die Ecken von Palästina. Wir sind Zion niemals so nahe gewesen als in diesem Augenblicke. Was sollen wir mit dem Judenstaat in Ostafrika machen, wenn wir den Judenstaat in Palästina haben? Sollen wir zwei Staaten haben, eine Staatenverbindung?