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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1903-01-01 · 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903 · p. Seite 199

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
Date
1903-01-01
Page
Seite 199 (sequence 200)
Language
German, English, Hebrew
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— 199 — Sodann weist er darauf hin, dass man nach Ostairika gehen will, ehe man etwas genaues von Palästina und El - Arisch weiss. Ferner findet er, dass man doch irgend eine höfliche Form finden wird, um der englischen Regierung, der wir ja grossen Dank schuldig sind, im Verzichtsinne zu schreiben. Wir können uns schon auf unsern Führer Dr. Herzl verlassen, er wird schon einen Modus finden. Im besten Falle gehört die Ostafrika-Frage in das Gegenwartsprogramm, aber nicht in das Basler Programm und das Gegenwartsprogramm ist noch nicht zur Debatte gekommen. Del. Dr. Farbstein: Flerr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich glaube, der ganzen Debatte über die Einsetzung einer Kommission liegt ein Missverständnis zugrunde. Ein grosser Teil derjenigen, die gegen die Kommission sprechen, sind sich vielleicht gar nicht dessen bewusst, was man im parlamentarischen Leben von einer Kommission denkt. Wenn mir jemand privatim einen Vorschlag macht, so kann ich grob und unhöflich denselben ablehnen und kann ihm einfach sagen: ich gehe auf deinen Vorschlag nicht ein, oder ich kann ihm eine höfliche Antwort geben und ihm sagen: ich überlege mir die Sache; ich werde darüber nachdenken, ich werde sie prüfen. Das ist höflich, aber auch die richtige Art. Der Mensch, der in seinem Privatleben übereilig ist, der sich vielleicht von einer Laune regieren lässt, der vielleicht darüber nicht so gründlich nachdenkt, hat sofort eine Antwort in der rechten oder linken Hosentasche, derjenige, der zuerst prüft, was er unternehmen will, wird aber sagen: ich überlege mir die Sache und dann antworte ich. Dasselbe spielt sich auch im öffentlichen parlamentarischen Leben ab. Wenn irgend ein Antrag einer grösseren Versammlung unterbreitet wird, ist es faktisch eine Sache der Unmöglichkeit, dass diese grössere Versammlung sofort einen Beschluss fassen soll. Wir können hier höchstens 10 Minuten sprechen, wir haben Generalredner gewählt, die die Materie nicht genügend kennen, die vielleicht mit Gefühlen und Zahlen operieren können, und gestützt auf diese Gefühlsreden, gestützt auf diese Sentimentsreden, fallen Aeusserungen von Herren, die im guten Glauben denken, sie seien des Volkes Vertreter, die aber nicht die Vertreter des hungrigen Volkes sind, welche vielleicht Vertreter einer Klasse von Menschen sind, die nicht unter einem solchen Drucke leiden, wie andere. Man kann leicht Beschlüsse lassen, die verhängnisvoll werden können, und von diesem Gesichtspunkte aus hat man die Sache zu betrachten, wenn man vor einer so wichtigen Frage steht, wie der vorliegenden. Es ist hier gesagt worden: Hunger ist auch Gefühl. Das erinnert mich an das Wort eines bekannten Philosophen, welcher sagte: Wenn jemand den Begriff von Raum und Zeit negiert, dann möge er von der dritten Etage herunterspringen, und er wird sich überzeugen, dass es einen Raum gibt. Die Herren, welche sagen, Hunger ist ein Gefühl, die mögen nur acht Tage hungern und mögen dann sagen, ob Hunger eine Gefühlsfrage ist. Meine Damen und Herren! Nein! Hunger ist keine Gefühlsfrage! (Lebhafte Zustimmung.) Die Herren, die vielleicht noch nicht mit 8 Kindern in einem Dachzimmer geschlafen haben, deren einzige Nahrung noch nicht in Kartoffelschälern bestanden hat, die noch nicht eine Reise nach Amerika auf dem elenden Zwischendeck eines Dampfers gemacht haben, die Herren sollen hier nicht von Gefühlen sprechen. Es ist leicht, von Gefühlen zu sprechen, wenn man selbst in Amt und WTürden ist und vielleicht eine hohe Stellung einnimmt. Wenn man selb** nicht hungert dann kann man leicht gefühlvoll sprechen und eine schöne Predigt halten, insbesondere, wenn es vielleicht das Amt mit sich bringt Predigten zu halten, wenn man aber hungern muss, dann ist das nicht Gefühl, denn es handelt sich um Menschenleben. In diesem Sinne muss also die Frage gelöst werden, aber nicht von diesem Gesichtspunkte aus allein. Drei Gesichts-

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