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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1903-01-01 · 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903 · p. Seite 197

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
Date
1903-01-01
Page
Seite 197 (sequence 198)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 197 — Ein zweiter Gesichtspunkt ist wohl nicht der rein zionistische, sondern ein ganz anderer. Ein Redner pro von gestern hat Ihnen erklärt: „Ich bin gegen Ostafrika; aber weil ich gegen bin, stimme ich iür die Kommission/' Ich wäre glücklich, wenn ich mich in derselben Lage befinden könnte, Ihnen zu erklären: Ich bin gegen Ostafrika! Ich bin nur in der Lage, Ihnen zu erklären: Ich bin weder iür noch gegen. Ich will erst die Sache prüfen. Ich will erst dem Volke am Pulse fühlen und hören, ob es nicht noch viele Elemente gibt, die auch das als ein ülück ansehen. (Stürmischer Beifall.) Und ohne für Ostafrika zu sein, stelle ich Ihnen folgende Erwägung anheim: Ich stelle mir vor — wie seinerzeit Noemi zu Ruth gesagt hat — wenn wir schon tatsächlich in die Lage gekommen sind, dass alle unsere Wünsche erfüllt sind: gesetzt, wir haben schon Palästina, wir haben es bereits besiedelt, ja., glauben Sie, dass wir uns dann darauf beschränken werden und sagen, wenn wir auch zu viel Produkte haben werden, die einen Absatz brauchen* wenn wir auch viele Menschen haben werden, einen gewissen .Ueberschuss, den wir abgeben müssen — dass wir uns dann darauf beschränken werden und sagen: Nein, wir müssen da in diesem kleinen Kreise verharren, die Produkte müssen zugrunde gehen und die Menschen auch. Nehmen Sie die Gesichtspunkte grosser Nationen wie Deutschland, England, Frankreich an. Alles sucht weite, fernere Absatzgebiete, wo man den Ueberschuss an Menschen und Produkten absetzen kann: — und glauben Sie, dass nicht auch wir dasselbe werden tun müssen? Aber man wird sagen, das ist schön und gut und sehr recht, wenn man sein eigenes Land bereits hat. Wenn man es aber noch nicht hat, wie kommen wir dazu, schon weitere Absatzgebiete zu suchen? Das ist ein richtiger Standpunkt, aber das kann sich wohl erklären infolge der Unnatürlichkeit unserer Verhältnisse im allgemeinen. Wir sind ja leider Gottes im Golus und infolge- ,| dessen ganz anders geartet. Alle unsere Wege sind nicht die kürzesten, '•\ kleinsten, sondern wir müssen sehr oft herumgehen und Umwege machen,;j um zum Ziele zu kommen. Seit nahezu 2000 jähren befinden wir uns auf der Wanderung nach Hause, nach Zion. Wir wandern dorthin durch Amerika, Brasilien, Australien, durch die Steppen Russlands, durch alle Himmelsstriche. Warum sollen wir nicht auch, wenn es sein müsste, durch Ostafrika nach Zion wandern??! (losender Beifall.) Die Frage ist aber auch eine taktische! Glauben Sie nicht, dass, wenn es uns im Momente nicht möglich wäre, unser letztes Ziel zu erreichen, dass es sogar besser wäre, von einem Punkte aus, wo wir gesammelt sind, zu operieren und nicht die atomisierten, zerstreuten, pulverisierten Teile des Volkes von da und dort und mit einem ungeheueren ökonomischen und moralischen Aufwand verschwinden zu lassen, glauben Sie nicht, dass es leichter wäre, unsere Kräfte zusammenzufassen, wenn wir irgendwo ein geeintes Zentrum hätten, wo wir die Leute dazu erziehen, wto wir unsere Kräfte sammeln können, wenn wir irgendwo vor dem grossen Zuge einen kleinen Konzentrationspunkt hätten? (Rufe: Nein!) Das alles sage ich Ihnen aber doch nur, ohne für Ostafrika zu sein. Ich weiss nicht, ob ich dafür bin. Aber vergessen Sie nicht, was uns ein guter Zionist, Herr Dr. Katzenellensohn vorgehalten hat: Dass man in Libau spricht: Es werden 250 Juden und 300 Pferde in einem Schiffe hinübergeschickt. Also auf diese Stufe sind wir gesunken! Es sind keine zionistischen Juden, nehmen wir an, aber Juden sind es, die man mit den Pferden gleichstellt. Aber ihr Schicksal ist ärger als das der Pferde. Die Pferde weraen hinüber geführt, damit man ihnen Arbeit gebe und sie füttere; das wird den Juden nicht zu Teil: Die gehen ins Ungewisse hinaus. Es gibt Tierschutzvereine für die Pferde, für die armen Juden aber gibt es keinen Schutz!! (Tosender Beifall.) Und da wollen Sie die Verantwortung auf sich laden, dass man die Juden als Menschen nicht irgendwo hinführt, damit sie sich dort sammeln und konzentrieren können, weil Sie fürchten, der Jude könnte sein Zionsideal

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