Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1903-01-01 · 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903 · p. Seite 194

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
Date
1903-01-01
Page
Seite 194 (sequence 195)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3476254-3476266--2038-3478176
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 194 — jüdischen Kapitalisten auf Grund dieser billigen und dennoch nicht verelendeten Lohnarbeiter-Bevölkerung hier Weltmarktindustrien errichten, die so lange den Auswurf des europäischen Ostens ernähren werden, bis diese Unglücklichen ein sanftes Ende gefunden haben. Ihre Kinder aber, erzogen in Licht und Luft, bei kräftiger Nahrung und in dem Vollgefühl ihrer nationalen Gleichberechtigung, werden freie Bürger im Lande ihrer Väter sein können, mit der Kraft der ~ " Muskeln und des Geistes, die nötig sind, um Menschen zu Menschen zu machen. (Stürmischer Beifall und .Händeklatschen.) Das, meine Freunde, ist der Weg, auf dem, wie ich glaube, allein zu unserem Ziele zu gelangen ist. Es ist ein harter Weg, der für die Lngeduld des nach Erlösung Schreienden und für das heisse Herz des Helfers viel zu lang scheint. Aber ich sehe keinen andern: keine organisatorische Kraft der Welt und kein Reichtum der Welt scheint mir zur Lösung des Werkes auszureichen, das erwächst, wenn man Millionen jämmerlicher Stadtproletarier in ein landwirtschaftliches Gebiet hinüberwirft, (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Das muss ein Chaos geben, das nur mit beispielsloser Not enden kann und das die Ueberzähligen durch Hunger, Typhus und Cholera aus dem Wege räumen muss, umx den wenigen Platz zu schaffen, die übrig bleiben werden. Wae lange das Werk in Anspruch nehmen muss, das ich skizziert habe, lässt sich übrigens von vornherein nicht feststellen; die Mittel, die wir in der Hand haben, befähigen uns, unsere Haken sofort an vielen Stellen einzuschlagen, wenn nur die Vorbedingung jeder Siedlung und überhaupt jedes menschlichen Wohlseins gegeben ist; die Sicherheit unserer Siedler für Gut und Blut, der Schutz eines zivilisierten Staates (Beifall und Händeklatschen), die öffentlich rechtliche Sicherung der neuen Heimstätte. Aber wo auch immer, diese Grundlage muss geschaffen werden und so ist es denn Sache der Parteileitung, uns eines Tages zu sagen: hier schlagt eure Zeltpflöcke ein. Dann aber braucht es gar nicht lange zu dauern, bis der Strom der Einwanderung in unser Land vom dünnen Fädchen wächst zum Bach, vom vollen Bach zum Fluss, zum Strom, und bis die Reservoirs des Unheils in Halbasien geleert sind. Hier ist nur der Anfang schwer, dann wächst das Werk ins riesenhafte. Legen wir auf das erste Feld unseres Schachbretts nur wenige Weizenkörner und verdoppeln wir von Feld zu Feld, wie jener persische Dichter der Sage, dann wächst das Werk unserer Kolonisation ins ungeheure. Die Geldmittel strömen uns noch viel schneller zu als die Menschen und es braucht keine Generation darüber zu sterben, bis der letzte Paria Europas zum freien Bürger seines eigenen Vaterlandes umgewandelt ist. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Wir selber werden das gelobte Land hoff entlieh noch schauen, wie Josua es schaute, werden nicht sterben müssen, wie Moses beim ersten Blick auf das Tal seiner Sehnsucht. (Bewegung.) Aller Anfang ist

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.