Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 189)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 188 — verwundbar machen kann. Sie schliesst ferner ans jene Proletarisierung des armen Landvolkes, das massenhaft in die Städte drängt, sie zu moralisch und physisch ungesunden Biesenmassen aufbläst und mit seinem Hungerangebot für Lohnarbeit alle Greuel des Kapitalismus in die Welt ruft. Der genossenschaftliche Besitz des Grund und Bodens gewährleistet für alle Zeit Freiheit und Brüderlichkeit des Bauernstandes, der, von Epoche zu Epoche in höhercmWohlstande, sich grösster Bildung und Gesittung erfreut, Sie gewährleistet ferner für alle Zeit ein gesundes Gleichgewicht zwischen städtischer und bäuerlicher Bevölkerung, gleiehmässige Entwicklung aller Stände, die Abwesenheit riesiger Metropolen und eine vernünftige, sittlich und politisch gleich heilsame wirtschaftliche Gleichheit auch der städtischen Berufe und dadurch auch hier Freiheit und brüderliches Zusammenhalten. Ein anderes System kann nach meiner Ueberzeugung der Zionismus gar nicht wählen. Wollten wir das von uns erworbene Gebiet an reiche Kapitalisten austun, so wäre es erstens viel zu eng für die Massen, die der Erlösung harren; denn das Gross-Grundeigentum verödet die Welt; es hat nicht den hundertsten Teil der Fassungskraft für Menschen, wie die kleinbäuerliche Kolonisation mit ihrer reichen städtischen Entwicklung; und wir würden zweitens nichts anderes tun, als Stadtproletarier in noch jämmerlichere Ackerbauproletarier verwandeln; und wollten wir das Land in Bauernstellen zu freiem römischen Eigentumsrecht aus tun, so würden wir nicht nur alles Elend mit importieren, das das Eecht dieses Baubstaates über die Kulturwelt gebracht hai, wir würden nicht nur ebenfalls die Fassungskraft des Gebietes für Menschen ungeheuer verringern, sondern wir würden vor allem das Wichtigste verschleudern, die gewaltige Kreditbasis, die eine genossenschaftliche Kolonisation schafft; denn unter ihr wächst der im Quadrat der Be- Yölkerungsdichtigkeit steigende Bodeiwert der Gesamtheit zu und kann von ihr nutzbar gemacht werden, um die gigantischen Kapitalmengen zu werben, die für die Vollendung des Werkes unentbehrlich sind, Kapital mengen, die der westeuropäische Jude uns nie geschenkweise zur Verfügung stellen wird. Geben wir aber das Land zu Privateigentum aus, so wachsen die riesigen Bodenwerte, die Schöpfung der Gesamtheit, einzelnen Privatpersonen zu und werden natürlich nicht den Zwecken der Gesamtheit, sondern Privatzweeken nutzbar gemacht: und dann kommen wir über den Anfang nimmer hinaus. Unser Anfang muss demnach sein: genossenschaftliche Bauerndörfer; das wird uns vorgeschrieben durch die Geschichte, durch die Wirtschaftswissenschaft und durch unsere heilige Ueberlieferung. (Lebhafter Beifall.) Aber wie soll das geschehen? Kun, meine Freunde, wir sollen ein Ketz von Bauernkolonien über das Land spannen, das wir erwerben wollen. Wenn man ein Ketz spannen will, so schlägt man erst an den Stellen die Haken ein, zwischen denen das Ketz entstehen soll. Dann spannt man zwischen