Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 186 (sequence 187)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 186 — nügend erstarkt, für die Erhaltung der Alten, Schwachen und Kranken Beisteuern leisten; aber darüber hinaus muss mit eiserner Konsequenz das Gesetz durchgeführt werden: „Hilf dir selbst, hilft dir Gatt" (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.); und unter keinen Umständen dürfen die Siedler das Gefühl haben, dass hinter ihnen reiche Herren- Kapitalisten stehen (Beifall), die ihren Karren aus jedem Sumpf ziehen werden. Die Wirtschaftsgeschichte beweist, dass ein solches Bewusstsein, Helf er hinter sich zu haben, ganz von selbst, auch unter günstigeren äussern Umständen, Armut erzeugt, während umgekehrt das Bewusstsein, auf die eigene Kraft angewiesen zu sein, selbst in der Wüste Beichtum schafft. Wehe also dem allzuweichen Manne, der durch Güte an der unrechten Stelle das Kiesenwerk verpfuschen würde, das hier zu leisten ist; nicht Güte durchbricht die Berge, sondern nur der stahlbewehrte Wille (Beifall); und „gute Leute gehören auf den guten Ort", sagt ebenso wahr wie hart das Sprichwort unseres Volkes. Der zweite Hauptgesichtspunkt der zionistischen Kolonisation muss der sein, dass ihre Grundlage eine agrarische zu sein hat. Alles Volkstum beruht auf der Verwurzelung einer Menschenmasse mit dem Boden, auf dem sie ruht, und diese Verwurzelung schafft nur die Landwirtschaft. Will der Zionismus ein neues Volkstum schaffen, so muss er sein Fundament in einer jüdischen Bauerschaft tief ins Land hinein legen; nur darauf kann der Weiterbau einer stolzen. Kultur sicher ruhen. Alle menschliche Technik hat nur dann Erfolg, wenn sie die Katur selbst in ihrem Schaffen nachahmt: alles Werden vollzieht sich nach jenem gewaltigen Gesetze der Entwicklung, wonach jedes Einzelwesen alle Hauptstufen zu durcheilen hat, die seine Art im Laufe von Jahr-Millionen überwand; so hat auch ein Volksindividuum anzufangen, wie alle Völker der Weltgeschichte begonnen halben: mit bäuerlichen Siedlungen. Wollten wir es wagen, das Haus vom Dach an zu bauen, es würde uns zusammenstürzen, und stellten wir es auch auf goldene Strebepfeiler. Wir können unmöglich eine riesenhafte Bevölkerung von Handwerkern, Krämern und Hausierern von einem Orte der Erdoberfläche zum andern verschicken, um sie als Handwerker, Krämer und Hausierer weiter leben zu lassen. (Lebhafte Zustimmung.) Wir müssien sie als Hausindustrielle und Heimarbeiter im Dienste von Grosskapitalisten für die Weltmarkt-Industrie arbeiten lassen, und alle Schrecken des Ostendes von London mit seinen Schwitzhöllen, und alle schmutzige Kot der gali zischen Landstädtchen und der russischen Biesendörfer voll Schmutz und Bohheit, die sich Städte schimpfen, würden wir mitbringen in das, Land des Herrn. Unsere Aufgabe ist es im Gegenteil, in dem Lande unserer Wahl mit möglichster Schnelle einen möglichst ausgedehnten Markt von möglichst grosser Kaufkraft für Handwerksprodukte herzustellen, d. h. wir haben so viel wie möglich Bauern anzusiedeln urfd zu möglichst hohem Wohlstand zu führen. Dann schaffen wir gleichzeitig in jedem Dorfe Kaum und