Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 185)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 184 — der helfen möchte. In der Tat, wenn man nur die Ponderabilien der Geschichte in .Rechnung setzt, so erscheint die Aufgabe unlösbar. Aber ergibt zum Glück Imponderabilien in der Weltgeschichte, unwägbare, unra essbare Seelenkräfte von solcher Spannung, dass sie imstande sind, das unmöglich Scheinende dennoch möglich zu machen. Mit diesen Kräften müssen wir rechnen und, meine ich, dürfen wir rechnen. Diese Kräfte sind das ungebrochene Herrengefühl des Volkstums, das hier errettet werden soll. Dieses Herrengefühl, wurzelnd in der uralten TJeberlieferung von der Gottes-Kindschaft, hat die Juden Kusslands und Rumäniens trotz aller ISTot bisher davor bewahrt,' unter dem grauenhaften Drucke der vereinigten Höllenmächte des Absolutismus, des Feudalismus und Antisemitismus zermalmt zu werden (Lebhafter Beifall und Händeklatschen), während doch der Slave unter den beiden ersteren allein alles Gefühl seiner Menschenwürde und alle Widerstandskraft eingebüsst hat. In den Juden erzeugt immer noch der Druck von oben den entsprechenden Gegendruck von unten; je stärker die Feder der Volksseele zusammengepresst wird, um so stärker presst sie zurück. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Das beweist der unstillbare Bildungshunger dieser unseligen Proletarier, die in Not und Schmutz nie aufgehört haben, alter Weisheit nachzuhängen und neue Weisheit zu schöpfen. (Lebhafter Beifall.) Mit diesen Imponderabilien, mit dieser unzähmbaren Kraft der Seelen werden, so dürfen wir hoffen, unsere Kolonisten das ausgleichen, was ihnen an Kräften des Körpers mangelt. Und wir dürfen mit einem zweiten Imponderahile rechnen, mit der Sehnsucht dieser Verbannten von 2000 Jahren nach dem Lande ihrer Väter. Die Sehnsucht, die 2000 Jahre des Golus immer stärker und stärker gespannt haben, ist auch eine ungeheure Förderung der zionistischen Kolonisation und nur der zionistischen Kolonisation. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Die Zuweisung der herrlichsten Ackerbreiten in Kanada oder Argentinien würde nicht imstande sein, die Kräfte Ahasvers so anzuspannen, wie die Ansiedlung in einer ärmsten Steppe, durch die der Jordan fliesst und auf die der Libanon herabschaut. Dennoch ist es die heilige Aufgabe derer, die es wagen, diese modernen Ziegelstreicher und Festungsbauer vom Drucke des Pharao zu erlösen und hinauszuführen in das Land, wo Milch und Honig fliesst, alle Vorkehrungen zu treffen, dass diese Seelenkräfte den rechten Punkt des Angriffes finden, um nutzbare Kraft zu leisten und die Hindernisse so weit wie nur tunlich zu vermindern. Wird hier etwas versäumt, so ist die Verantwortung zu schwer für menschliche Schultern; diese Hoffnung darf nicht getäuscht werden. Diese Millionen, die der Erlösung harren, müssen sie finden, soll nicht ihr Fluch zermalmend auf die Führer fallen, die, guten Glaubens oder nicht, zu ihren Verführern geworden sind.