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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1903-01-01 · 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903 · p. Seite 178

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
Date
1903-01-01
Page
Seite 178 (sequence 179)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 178 — scher. Die Emigrationsländer verschliessen ihre Grenzen. Es ist ein Lebensbedürfnis geworden, auf diese Frage zu antworten, und da wir Zionisten uns als die einzigen Vertreter der jüdischen Nation fühlen und es auch wirklich sind (lebhafte Zustimmung), so ist es doch in erster Reihe unsere Sache, auf dieses Bedürfnis zu reagieren. (Lebhafter Beifall.) Wenn man gegen dieses Bedürfnis, gegen diese Lebensnotwendigkeit, die Emigration zu regulieren, mit Stimmungen, Gefühlen und Romantizismus antwortet, so glaube ich, dass. man hier wirklich mit incommeinsurablen Grössen operiert. Man antwortet mit Thesen auf eine hochernste Sache. Das zweite, was gegen die Einsetzung einer Kommission angeführt worden ist, ist folgendes: Man behauptet, wir haben kein Recht, über diese Sache zu entscheiden, weil wir unsere Wähler nicht befragt haben. Wenn Sie sich auf diesen formellen Standpunkt stellen, so antworte ich mit dem Gegenteil: Wir haben kein Recht, unseren Wählern gegenüber diese Frage ohne weiteres abzulehnen. (Lebhafter Beifall.) Wenn es auch wahr ist, dass wir kein Mandat hierher gebracht haben, in dieser oder jener Richtung, müssen wir uns doch auf einen sachlichen Standpunkt stellen und uns sagen: Alles, was von dieser Tribüne geboten ward, um etwas Positives im Judentum zu schaffen, war unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit, wenigstens zu prüfen. (Lebhafter Beifall.) Haben wir dies nicht getan, so haben wir unsere Pflicht unseren Wählern gegenüber verletzt. (Beifall.) Ob wir die Sache prüfen oder nicht, die Frage ist bereits einmal in die Oeffentlichkeit gekommen. Sie wird Gefühle wecken, Stimmung machen für sich selbst, und es ist eine grosse Frage, ob'sich nicht andere Leute dieser Frage bemächtigen' und darauf vielleicht eine Bewegung schaffen. Nun stellen Sie sich vor, es sollen andere Mächte, es soll die Ica oder irgend eine andere philantropische Körperschaft die Initiative ergreifen! Pardon! Das ist politisch falsch gedacht. Ich frage Sie: Wenn wir in einer derartig wichtigen Angelegenheit bewusst die Initiative aus Händen lassen, wo ist unser politisches Selbstbewusstsein, wo unsere zionistische Zuversicht? Sollen wir eine derartig wichtige Sache etwa einer anderen Körperschart vertrauen, zu welcher wir sonst in nationalen Fragen gar kein Vertrauen haben? Sollen wir in dieser Sache, die-einen nationalen Kern in sich birgt, etwa die Assimilationskörperschaften walten lassen? Niemals! (Lebhafter Beifall.) Weil wir Zionisten sind, wollen wir die Initiative ergreifen und prüfen, weil wir — und ich wage es hier öffentlich zu erklären — den Assimilationskörperschaften im Judentum überhaupt kein Vertrauen schenken. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) In dem Augenblicke, wo wir zu politischem Selbstbewusstsein gekommen sind, wo unsere zionistische Zuversicht erwacht ist, fordert es das politische Selbstbewusstsein von uns, alle Möglichkeiten im Judentum von dieser Tribüne herab zu behandeln, zu erörtern und die entsprechenden Handlungen einzuleiten. (Beifall.) Und nun wende ich mich dem dritten Grunde zu, der gegen die Einsetzung einer Kommission ins Feld geführt wird. Die Herren, die sagen: Wenn wir eine Autonomie in Ostafrika habe::, haben wir alle Hoffnung auf Palästina aufgegeben, befinden sich in einem logischen Widerspruch. Die Herren sagen: In dem Augenblick, wo es den Juden gut geht, wo also das sozial-ökonomische Motiv verschwunden ist, welches auf eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte dringt, ist das Streben nach Palästina nicht mehr vorhanden. (Widerspruch.) Das ist doch die Schlussfolgerung Ihrer Behauptung, dass eine politische Autonomie der Juden in Ostafrika jedes Motiv für Palästina beseitigt. (Rufe: Nicht allein!) Pardon! Damit behaupten Sie, dass auch jetzt, bei der jetzigen Lage der Juden in allen Ländern nur noch das sozial-ökonomische Motiv das-treibende ist für die Erreichung eines Judenstaates. Damit sprechen Sie gegen sich selbst. (Widerspruch.) Das ist Ansichtssache. Wenn Sie folgerichtig sein wollen, müssen Sie sagen: Ebenso wie die Juden nicht nur aus sozial-

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