Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 177 (sequence 178)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 17? — Del. Bentwich: Ich wünsche, dass jetzt darüber abgestimmt wird. Vteepräs. Dr. Bodenheimer: Sie wollen haben, dass der Kongress jetzt den Beschluss fasst, dass die Redner heute noch sämtlich sprechen. Das Präsidium hat in einer Besprechung der Meinung Ausdruck gegeben und den Beschluss gefasst, dass die Abstimmung über diese Frage erst morgen, wenn wir alle wieder ruhig sind und ausgeruht haben, in aller Nüchternheit und Klarheit erwägen können, stattfinden soll. (Widerspruch.) Del. Bentwich: Das muss der Kongress beschliessen, nicht das Präsidium. Vizepräs. Dr. Bodenheimer: Ich will dem Herrn Bentwich mitteilen, warum eine Abstimmung heute nicht stattfinden kann. Es ist doch selbstverständlich, dass das A.-C, welches diesen Vorschlag dem Kongresse unterbreitet, in der Lage sein muss, im Anschlüsse an die Generalredner sich auch zu dieser Frage zu äussern. (Rufe: Heute!) Nun ist Dr. H e r z 1 heute nicht in der Lage . . . (Widerspruch. — Lärm.) Ich frage die Versammlung, ob sie mich in Ruhe anhören will oder nicht! Nun ist Dr. H e r z 1 unwohl und nicht in der Lage, sofort im Anschlüsse an die Generalredner sich zu äussern und zu erklären. vEs muss also die Abstimmung verlegt werden bis morgen früh. (Rufe: Dann Schluss der Sitzung!) Es ist ein Beschluss gefasst worden, die Generalredner anzuhören. (Rufe: Morgen! — Unruhe.) Ich erteile Herrn Syrkin das Wort. (Andauernder Lärm.) Del. Syrkin: Wir stehen vor einer ernsten Frage, einer Frage, die einer ernsten Erörterung bedarf, eines Ernstes, um den ich hier um jecfen Preis bitten möchte. Wir stehen zweifellos vor der Frage, in welchen Bahnen unsere zionistische Bewegung für die nächste Zukunft sich entwickeln soll, und eine derartige Frage bedarf einer ernsten, sachlichen Erörterung, die auf den Grund der Sache geht. Nun werde ich versuchen, die Gründe für die Einsetzung einer Kommission und die Gründe, die dagegen ausgesprochen worden sind, zu erörtern. Ich will schon mit dem polemischen Teil meiner Ausführungen beginnen. Folgende Gründe sind angeführt worden gegen die Einsetzung einer Kommission: Erstens haben diejenigen Herren, die gegen die Kommission sind, mit ihren zionistischen Gefühlen und Stimmungen operiert. Ich kann wohl begreifen, dass ihnen diese Gefühle und Stimmungen aus dem Herzen kommen. Ich kann wohl begreifen, dass dieser Romantizismus eine tiefe Begründung in der Seele jedes Zionisten hat. Aber wenn wir vor einer sachlichen Frage stehen, vor einer ernsten Angelegenheit, glaube ich, dass diese Stimmungen und Gefühle einer ernsten Erörterung Platz machen müssen. Also die erste Kategorie der Gefühle, die ins Feld gezogen wurden, gegen die Einsetzung einer Kommission, sind meines Erachtens überhaupt sehr wenig am Platz. Der zweite Einwand gegen die Einsetzimg einer Kommission geht dahin, dass wir kein Recht haben, uns überhaupt mit dieser Angelegenheit zu befassen, und der dritte, dass in dem Augenblicke, wo wir eine jüdische Autonomie, welche doch die Folge der Einsetzung einer Kommission sein sollte, in Ostafrika haben, an Palästina niemand mehr denken wird. Wir müssen bedenken, dass nicht der Verrat an Zion uns dazu veranlasst, ein anderes Land zu wählen oder unsere Aufmerksamkeit einem anderen Lande zuzuwenden, sondern ein Bedürfnis ist reif geworden innerhalb der jüdischen Massen, welchen wir eine Antwort geben müssen. Es ist das Bedürfnis nach der Regulierung der Emigration. Tun Sie es nicht, erfüllen Sie in diesem PunKte Ihre Pflicht nicht, so entsteht ein kolossaler Verlust für die nationale Sache. Alle Jahre verlieren wir nach allen Windrichtungen Tausende und Zehntausende. Zehntausende Juden gehen dem nationalen Körper verloren durch die unregelmässige Emigration nach allen Ländern. Und das allein ist es noch nicht, sondern mit jedem Jahre wird die Lage der Emigration immer kriti- 12