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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1903-01-01 · 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903 · p. Seite 170

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
Date
1903-01-01
Page
Seite 170 (sequence 171)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 170 — Del. Dr. Jacobsohn: Ich habe gesprochen. Del. M. Pines (Jargon) empfiehlt die Annahme der in der russischen Landsmannschaft gestellten, dort aber abgelehnten Anträge auf Einsetzung einer Ostafrika-Kommission. Del. Disengoff (französisch) spricht sich gegen das Ostafrikaprojekt aus. Präsident: Es ist hier der Wunsch laut geworden, die Sitzung jetzt zu unterbrechen, da die Anwesenden erschöpft seien. Das Präsidium ist der Meinung, dass wir durch eine Pause zu viel kostbare Zeit verlieren, da es dann sehr unbestimmt wäre, wann die Versammlung wieder vollzählig beisammen ist. Wir haben also beschlossen, die Sitzung ohne Unterbrechung fortzusetzen. Del. Dr. Isidor Marmorek: Verehrter Kongress! Bevor ich meine Ausführungen bezüglich der Kommission beginne, möchte ich, üamtt kein Missverständnis obwalte, gleich sagen, dass ich in der Sache selbst durchaus gegen das ostafrikanische Projekt bin. (Beifall.) Mich haben darin alle jene Argumente, die, möchte ich sagen, mehr philantropischer Natur sind, die dafür gesprochen haben, dass in der Gegenwart etwas geschehen müsse,, um manche Wunde zu heilen oder zu vermeiden, nicht zweifeln machen können in der Meinung, dass das ostafrikanische Projekt im Grunde genommen ganz antipathisch ist, dass es der Entwicklung, dem Ziele des Zionismus tatsächlich entgegensteht. (Lebh. Beifall.) Denn wenn einer der Vorredner gesagt hat, er könne es nicht verantworten, dass inzwischen andere leiden, während wir ruhig sagen, wir können warten, so ist er uns den Beweis schuldig geblieben, dass, bis wir das Projekt in Ostafrika vervollständigt haben, inzwischen nicht unserem Volke sehr viel Leiden zugefügt werden kann, und wird. Nicht einmal von diesem Standpunkte aus also könnten wir uns für das Projekt entscheiden. Nlclitsäestoweniger glaube ich, dass die Frage nicht die ist, ob wir das Ostafrikaprojekt mögen oder nicht, sondern, ob wir uns entschliessen sollen, bevor wir gehört und geprüft haben. Ich giaube, dass es eine unnötige Angst ist, die wir vor dieser Kommission haben. Warum? Diese Kommission soll vor allem nicht entscheiden, nicht ein Ja oder Nein sprechen, bevor sie nicht wieder zu uns gesprochen hat. Und wir, die wir diese Kommission zu wählen haben werden, werden wir sie nicht aus unserer Mitte nehmen? Hoffentlich werden ja diejenigen, welche Mitglieder dieser Kommission sein werden, ebensogute Zionisten sein, wie wir, sie werden aber den Vorteil vor uns voraus haben, dass sie mehr wissen werden als wir. Wenn sie sagen werden, dass wir vom zionistischen Standpunkte das nicht akzeptieren können, so werden wir das dann mit viel grösserem Rechte sagen können als heute. Unser Votum in der Sache wird umso begründeter sein und umsomehr bedeuten, je mehr wir in der Sache unterrichtet sind und sie geprüft haben. Glauben wir doch nicht, dass bloss auf ein vages Phantom hin unsere Führer schon bereit gewesen w^ären, Zion zu verlassen. Es muss etwas an der Sache sein, und wenn wir in Kenntnis dieses Etwas sagen werden: Wir wollen Zion haben, so haben wir der ganzen Welt bewiesen, dass wir von unserem Wege nicht abgehen. Wenn wir aber sagen, wir wollen nicht, bevor wir etwas wissen, so hat unser Votum keine Bedeutung, dann ist es bloss Prinzipienreiterei. Eine Frage wurde hier gar nicht aufgeworfen. Es wurde immer von einem Kompromiss gesprochen. Ich glaube, es ist kein Kompromisse Es handelt sich nicht darum, wenn wir die Kommission wählen, dass wir in die Sache eingehen, es handelt sich nicht darum: erst Ostafrika und dann Zion, sondern darum: Dürfen wir uns soviel Geduld und Weisheit zutrauen, dass wir auf unserem Standpunkte auch dann veriiarren, wenn wir die Sache näher kennen?

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