Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 170)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 169 — menten vor Sie zu treten, allein ich glaube, man hat die Pflicht, auf zionistischen Kongressen immer im Voraus eine ganz einlache und klare Frage bereit zu halten. Eines aber haben wir, glaube ich, doch immer gemeinsam bei aller Meinungsverschiedenheit: Den Stolz auf unser Judentum — und das Baseler Programm. Sehen wir es uns doch ein wenig an. Schon der erste Satz sagt uns — es muss das immer wiederholt werden — der Zionismus hat zum Endziele die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. Damit hat Afrika gar nichts zu tun. Dann hat der Zionismus zum Zwecke die Hebung des nationalen Bewusstseins. Meine Damen und Herren! Es ist mir wenig verständlich, wie in Ostafrika eine Hebung des nationalen Bewusstseins des jüdischen Volkes möglich sein" soll. Es ist dies das Land, das sozusagen aus der Luft gegriffen wurde, das uns von einem Staate angeboten wurde, dem wir gewiss zu grösstem Dank verpflichtet sind, aber es ist nicht das Land, das mit unserer ganzen Geschichte und Tradition im weitesten Sinne des Wortes in irgendwelcher Verbindung steht. Der dritte Punkt des Baseler Programmes lautet: Organisation des jüdischen Volkes. Damit hat Ostafrika auch nichts zu tun. Anstatt das Volk da zu organisieren, wo es ist, beginnen wir eine neue, schwierige und langwierige Arbeit, um nur einigen Zehntausenden eine Existenz zu verschaffen, eine Arbeit, die unser ganzes Geld und unsere Kraft und unser Menschenmateriai in Anspruch nehmen wird. Ich muss, meine Damen und Herren, das sagen, was schon mehrere Redner gesagt haben: entweder Palästina oder Ostafrika — ein Drittes gibt es nicht. Denn auf Jahrzehnte hinaus — icn betone das — wird das alle unsere Kräfte in Anspruch nehmen, und wozu? Um, wie Herr Vorredner Gron em a n n gemeint hat, in Ostafrika eine Schule für uns Zionisten zu gründen, wo wir uns zu guten Bürgern zu erziehen in der Lage sind. Es ist klar, an eine grosse Kolonisation in Ostafrika ist lange Zeit nicht zu denken. Das letze Argument aber, das ich anführen möchte, ist das folgende: Herr Dr. P a s m a n i k ist mit demokratischen Prinzipien aufgetreten und hat gesagt, dass man auch das Volk befragen müsse. Es ist ungemein schwierig, meine Herren, unser Volk in eine ganz neue Lage zu versetzen. Wenn wir ein Land auf staatlicher Grundlage kolonisieren wollen — sei es nun Palästina oder ein anderes Land — so muten wir unserm Volke zu, dass es diese schwierige Arbeit doch vollbringen werde. Warum? Weil wir genau wissen, dass in unserem Volke eine sehr starke und unüberwindliche Vorliebe zu diesem Lande wohnt. Nur diese ideelle Macht, welche im Volke lebt, wird ihm die Kraft geben, sich zu überwinden und ein Handwerkervolk zu einem Landarbeitervolke zu machen. Wenn Sie aber .... Vizepräs. Dr. Bodenheimer: Herr Dr. Jacobsohn, Ihre Zeit ist um, wollen Sie also resümieren, Sie haben nicht mehr als eine Minute. Del Dr. Jacobsphn: Ich komme zu der letzten Frage. Man sagt, wir brauchen uns nicht mit dem Projekte selbst zu befassen, sondern wir hätten uns nur um die Kommission zu kümmern. Auch dagegen bin ich. Es gibt verschiedene Fragen, die in einer Partei und nicht in einer Kommission behandelt werden sollen, weil diese Fragen den Grundprinzipien der Partei angehören. Wenn z. B. heute ein sozialdemokratischer Parteitag sagen würde, dass man in eine Kommission den Vorschlag bringen soll, ob die sozialdemokratische Partei das kollektivistische Prinzip aufgeben soll oder nicht, so wäre das rein lächerlich. Ich kann mir das gar nicht vorstellen. Ebenso halte ich es für unmöglich, dass wir in einer Kommission beraten, was den Grundgedanken und das Grundprinzip unserer ganzen Bewegung bildet. Also entweder oder. Entweder Zion oder Ostafrika. Da gibt es keine Kommission, keine Zugeständnisse, kein Kompromiss. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vizepräs. Dr. Bodenheimer: Herr Dr. Jacobsohn, Ihre Zeit ist um.