Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 168)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 167 — Ostafrika. Der Prüfstein ist unser Programm. Das was uns geboten wird, muss entweder unser Ziel oder das Mittel zu diesem Ziele sein. Das Ziel wird uns nicht geboten. Wir bekommen zwar Aussichten drr öffentlichrechtlich gesicherten Heimstätte, aber nicht Palästina. Es fragt sich also, ob das Gebotene geeignet ist, uns unserem Ziele näher zu bringen, und das möchte ich bejahen, und zwar nicht etwa, wie Sie meinen, bloss von dem Standpunkte, dass wir damit der Verelendung des jüdischen Volkes entgegenarbeiten, wir wollen nicht bloss ein Nachtasyl, es soll mehr, es soll eine Werkstätte werden für das jüdische Volk. Meines Erachtens wird dieser Plan, wenn er verwirklicht wird, uns das geben, was uns noch fehlt, um unser Ziel zu erreichen, Dr. Rosenbaum hat gesagt, es habe in zionistischen Kreisen die grösste Furcht bestanden, dass die Katastrophe eintreten würde, dass der Charter erlangt würde, und wir nicht fertig sein werden. Warum sind wir nicht fertig? In welcher Weise arbeiten wir für unser Ziel? Wir können Musterbauern schaffen, wir können Schulen gründen, aber eines fehlt uns: wir können nicht Musterbürger schaffen. Es ist notwendig, dass wir mehr als kleine Schulen errichten, wir müssen eine ungeheure Schule für das Jüdische Volk haben, in dem es lernt, sich politisch auszuleben. (Lebhafter Beifall.) Dass wir bei Erreichung unseres Zieles auch auf unser Land Palästina warten müssen, wissen wir alle. Es fragt sich bloss, wo und wie wir warten wollen, ob als Bedrückte, Unfreie, oder ais freie, aufrechte Bürger. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich begreife nicht, wie ein Zionist sagen kann: Wenn wir hinkommen, werden wir unser Programm vergessen. Wer sein Programm vergisst, ist nicht wert, sich Zionist zu nennen. (Lebhafter Beifall.) Oder gibt es hier im Saale jemanden, der der Ansicht ist, die von unseren Feinden vertreten wird, dass der Zionismus nichts anderes ist, als die Reaktion gegen den Antisemitismus, nichts als ein Angstprodukt, dass nur diejenigen, die in Not sind. Zionisten geworden sind, dass wir uns nur als nationale Juden fühlen, weil wir gedrückt sind? Gerade das Gegenteil ist der Fall. Das werden wir zeigen auch in den besten und schönsten Tagen, wenn es uns gut geht; wenn wir uns national ausleben können, wird das Andenken an den Zionismus nicht verschwinden. Von dort aus werden die Musterbürger ausziehen, ebenso wie einst bei dem ersten Auszuge des jüdischen Volkes die Stämme Rüben und Gad das gelobte Land früher gefunden haben als die Masse des jüdischen Volkes, aber deshalb auch die Verpflichtung übernahmen, voranzugehen den übrigen Völkern, so wird es auch in diesem Falle sein. Wie kann man überhaupt sagen, dass eine Gefahr für unser Programm darin liegt, wenn wir eine zeitweilige politische Selbständigkeit in gewissen Grenzen erlangen? Ist es wirklich eine Gefahr für uns, wenn wir auf einige Zeit zusammenkommen können und politisch leben, uns wenigstens der Illusion hingeben können, dass wir in gewissem Sinne unser Ziel erreicht haben? Was sind wir hier? Sind wir hier etwas anderes, als schon ein Bild des künftigen jüdischen Gemeinwesens? Auf wenige Tage alle zwei Jahre treten, wir zusammen, haben wir ein jüdisches Parlament, können wir politisch wie andere Völker in bescheidenen Grenzen uns betätigen. Nun soll die Wirklichkeit geschaffen werden, dies auf lange Zeit hinaus zu tun, uns ernsthaft politisch auszuleben und uns für unsern Beruf vorzubereiten. Wenn Sie dagegen sind, müssen. Sie auch gegen Jen Kongress sein, auf welchem Sie ein jüdisches politisches Gemeinwesen errichtet haben. Es ist vorhin eine Aeusserung gefallen, die ich zurückweisen muss: Es zeigt sich, wie tief der Zionismus in manchen westeuropäischen Landsmannschaften gesunken ist, wenn man dort kurze Zeit nach Einbringung der Vorlage sich für die Einsetzung einer Kommission entschlossen hat. So ist es nicht. Gerade weil wir die ungeheure Verantwortung fühlen, haben