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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1903-01-01 · 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903 · p. Seite 163

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
Date
1903-01-01
Page
Seite 163 (sequence 164)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476266--2007-3478145
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— 163 — unserem Programm und hier, auf unserer Fahne, steht. Wir können jetzt desto geduldiger warten, da unser Führer uns einen wichtigen politischen Erfolg zu diesem Kongress gebracht hat. Wir bitten darum unsern Führer: „Sie haben das Glück gehabt, von den Vorstehern der grossen britischen Nation verstanden zu werden. Diese haben sich bereit erklärt, uns zu helfen. Gehen Sie vor dieses Volk und sagen Sie, dass Zion unsere Heimat ist; das grosse Volk wird unsere Heimatsliebe verstehen und es wird uns zum Erreichen unseres Zweckes ihre Beihilfe nicht versagen 1" Del. Dr. Fink: Geehrte Damen und Herren! Trotz der vielen Gegenargumente, welche hier gegen das Projekt von Ostafrika vorgebracht worden sind, muss ich erklären, dass sie vollständig wirkungslos an meiner Ueberzeugung abgeprallt sind. Ich verstehe das nicht: Auf der einen Seite sehen wir die Millionen unserer unglücklichen Brüder in Rumänien, in Galizien und in Russland jeden Tag mit dem Hungertode ringen (Bewegung) und auf der anderen Seite befürchten wir, die Annahme dieses Projektes könnte bei uns eine Schwächung des Idealismus erwecken. Nun frage ich Sie: Was können wir leichter ertragen? Dass vor unseren Augen Tausende und Abertausende, ja ich könnte von Millionen sprechen, von Juden zugrunde gehen, oder dass wir — na, sagen wir — ein paar Ideale ersterben sehen. (Widerspruch.) Wer da fürchtet, dass das zionistische Ideal in ihm ersterben werde, der hat es noch nie besessen. (Beifall. — Widerspruch.) Ich hege diese Furcht nicht, weil ich mir sage: so lange ich da sein werde, wird auch mein Ideal bei mir sein. Nicht trage ich meine Ideale, und ich könnte sie verlieren — verlieren kann ich nur das Geld, das ich bei mir trage, aber keine Ideale — sondern meine Ideale tragen mich. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich war Zionist, noch bevor die zionistische Bewegung «erstanden war. Wenn unser Ideal eine Abschwächung erfahren sollte — nun Sie haben es doch gesehen, was der Erfolg ist. Ideale sterben und stehen wieder auf. Vor 50 Jahren ist das zionistische Ideal in der Seele der westeuropäischen Judenheit erstorben. Was würde Abraham Heimer gesagt haben, wenn er oder sein Geist heute in unsere Versammlung hineinversetzt würde! (Beifall.) Sie sehen also, Ideale feiern auch schon hier auf dieser Erde eine Auferstehung, aber diejenigen Menschen, die verdorben sind, die erstarrt sind im Elende, die werden hier auf dieser Erde nicht wieder erstehen. (Beifall.) Im übrigen, geehrter Kongress, wenn ich hier wüsste im Geiste anwesend die Millionen russischer Juden, die Hunderttausende galizischer Juden, denen das grässlichste Elend aus den Augen grinst, wenn ich hier um mich versammelt sehen würde alle Mütter mit verdorrten Brüsten, die ihren Säugling auf den Schoss nehmen und ihnen nichts reichen können, und wenn ich sicher wäre, dass diese Mütter alle mir die Zustimmung geben, wenn ich gegen das ostafrikanische Projekt stimme, dann würde ich dagegen stimmen. Weil aber dieser Gedanke für mich unfasst>ar wäre, dass alle diese Tausende und Abertausende, die jetzt vor meinem Geiste schweben, mich nicht mit den denkbar grössten Vorwürfen überhäufen würden, unter denen ich zusammenbrechen müsste, bin ich dafür. (Stürmischer Beifall. — Widerspruch.) Sie fürchten ein Ersterben des zionistischen Ideals. Das ist — ich möchte fast sagen — kindische Angst. Glauben Sie wirklich, dass es zur Erstarkung unseres zionistischen Ideals beitragen wird, wenn wir heute zu unseren Wählern nach Hause kommen und sie uns fragen: Was habt Ihr uns gebracht? — wir ihnen antworten: Nun, wir haben euch eure Ideale gebracht. (Beifall. — Widerspruch. — Pfuirufe.) 11*

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