Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 163)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 162 — (Redner hebt die Fahne mit dem Worte „Zion" auf), niemand wird es mit etwas anderem vertauschen, das bleibt für immer unser Heiligtum und unsere Devise! Aber in dem, was uns jetzt vorgeschlagen wird, liegt eine grosse Gefahr für unsere Bewegung, das ist die Gefahr einer neuen Illusion, die jetzt hier geschaffen wird. Als wir unser Programm aufgestellt hatten, waren wir uns wohl bewusst, dass die Erreichung unseres Zieles mit sehr grossen Schwierigkeiten verbunden ist. Wir haben uns aber gesagt, einen anderen Weg gibt es nicht! Zion ist das Land, das wir lieben, das Land unserer Sehnsucht. Ueber die Bedeutung dieses Momentes will ich nicht viel sprechen; wenn Sie es fühlen, dann verstehen Sie es. Es sind aber noch viele wichtige Momente da. Wir haben uns gedacht: unsere Kräfte und Mittel sind zu schwach für diese grosse Arbeit; die Arbeit wird nicht ununterbrochen vor sich gehen. Wir müssen darum ein Zentrum haben, das für unser Volk immer :eine Attraktionskraft haben wird. Wir müssen eine Stelle haben, die unser Volk immer an sich ziehen wird. Wir haben uns ferner gesagt: Niemand denkt, dass das ganze Volk nach Zion gehen wird. Wir werden nur für einen Teil des Volkes eine Heimstätte schaffen. Diese Heimstätte aber wird die Autorität über und in den Augen des ganzen Volkes haben. Es gibt nur e i n Land, das diese Attraktionskraft und diese Autorität für das ganze Volk hat, und das ist Zion, kein anderes Land der Welt! Darum haben wir keinen Augenblick Furcht, dass man Zion mit etwas anderem vertauschen könnte. Was man aber kann und was jetzt geschieht — das ist eine neue Illusion für das Volk, welche viele verwirren und unsere Bewegung kolossal abschwächen wird. Warum haben wir verhältnismässig noch wenig Zionisten? Unsere Idee ist so klar und fesselnd, und doch arbeiten sehr viele nicht mit. Warum? Weil sie Illusionen haben. Ein ganzes Jahrhundert war es die Illusion der Emanzipation und der „Rechte". Auch jetzt vermissen wir viele gute, junge Kräfte, weil sie Illusionslösungen der. Judenfrage nähren. In dieser Afrika-Autonomie wird eine neue geschaffen, die viele Kräfte von uns wegziehen wird und unsere Bewegung untergraben wird. Darin steckt die grosse Gefahr! Man weist darauf hin, dass die Notlage kolossal ist, es muss geholfen werden. Ja, das ist richtig. Ich komme selbst aus dem Lande der Not und kenne sie, muss aber folgendes bemerken: Die Not ist nicht jezt entstanden. Unser Volk kennt keine Ruhe, seit es die Heimat verlassen hat. Es sind auch verschiedene Wege zur Heilung gezeigt worden. Wir Zionisten sind nicht die ersten, die für das Wohl des Volkes arbeiten wollen; nur haben wir die Not und ihre Ursachen anders verstanden. Und für unsere Anschauung haben wir den Kernpunkt, den ersten Satz unseres Programmes geschaffen, worin klar und offen stellt, dass wir bestrebt sind, eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina zu schaffen. Das ist dasjenige, das den Zionismus kennzeichnet. Unser Programm, als auch unsere Wege sind klar und wir können unter keinen Umständen von ihnen abweichen. Wir können auch nicht dieses Projekt anderen jüdischen Institutionen empfehlen, denn alle Kräfte und Mittel im Judentum brauchen wir für unseren Zweck. Mit den Mitteln der Bank und des Fonds werden wir den Zionismus nicht verwirklichen . . .! Es ist wahr, dass unser Weg schwer ist, es sind sehr grqsse Hindernisse da. Das wissen wir. Und da wende ich mich an Sie und insbesondere an unsere Führer: Wir sind keine Hascher nach raschen Erfolgen; wir werden warten und lange warten, bis derjenige Moment Kommt, der in