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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1903-01-01 · 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903 · p. Seite 161

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
Date
1903-01-01
Page
Seite 161 (sequence 162)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476266--2005-3478143
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— 161 — „Es ist ein Volk, zerstreut und zersplittert unter den verschiedensten Völkern." Sollen wir an diesem Werke der Zerstreuung weiter arbeiten? Sollen wir es zulassen, wenn auf der anderen Seite die Möglichkeit vorliegt, für diese Leute eine besere Existenz, eine Heimat zu schaffen? Ist es möglich» dass wir diese Frage, ohne sie zu untersuchen, einfach weglegen? Können wir das vor der Geschichte verantworten? Was wird man nach 30 und 40 Jahren von uns sagen, wenn der Kongress, nachdem man uns ein selbständiges Land anbot, nicht einmal sich die Mühe nahm, die Sache näher zu prüfen? Das können wir nicht verantworten. Sie befürchten, dass dies unserer zionistischen Arbeit schaden wird. Da möchte ich Sie beruhigen, dies wird uns nicht nur nicht schaden, sondern uns sogar sehr nützen. (Beifall.) Es wurde in manchen Herzen die Angst rege, Dr. Herzl werde nicht für Zion arbeiten, sondern für diese Frage. Die Tatsachen beweisen das Gegenteil; denn während Dr. Herzl das ostafrikanische Projekt in der Tasche hatte, ist er nach Russland gegangen und hat mit grö.sstem Eifer für Zion gearbeitet, und ich bin überzeugt, er wird es auch in Zukunft nicht aus den Augen lassen. Was haben wir eigentlich solche Angst vor Afrika? Die südafrikanischen Zionisten sind nicht die schiechtesten Zionisten, und die ostafrikanischen werden die besten sein. Ich kann Ihnen nur aus vollem Herzen zurufen: Bei der Abstimmung über diese Frage seien Sie eingedenk der tausende und hunderttausende Menschen, die jetzt ohne Plan und Ziel in die weite Welt hinausgehen. Schaffen Sie für diese Juden ein Land, wo sie weiter ein jüdisches Leben führen können, wenn auch keine Heimat, so doch eine Stelle, wo sie willkommen sein werden, und vor allem prüfen Sie und überlegen Sie nochmals! Unsere Aufgabe ist jetzt: Wir müssen das Volk fragen, und unser nächster Kongress soll die Antwort geben. Diese Antwort wird wahrscheinlich sein, dass die Hoffnung stets Zion bleiben wird, dass wir aber das Schicksal derjenigen sichern müssen, die nicht warten können, und die schon im Gehen begriffen sind. Jedenfalls möge der Beschluss zum Heile Zions, zum Heile des Judentums beitragen. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen im Saal und auf der Galerie.) Präs. Dr. Herzh Ich bitte die Galerie, sich jeder Kundgebung zu enthalten. Del. Dr. Tschlenow (mit lebhaftem Beifall akklamiert): Hochverehrte Kongressmitglieder! Ich weiss nicht, wie es Ihnen hier zumute ist; in meinem Herzen spielt sich seit Freitag, als ich zum erstenmale das Afrika- Projekt vernommen, ein sehr ernstes, schweres Drama ab. Ich fühle, dass etwas, das im Tiefsten meiner Seele lag, das heilig, teuer ist und. unantastbar schien, jetzt hier, in diesem Hause getastet, gerüttelt und verletzt wird. Ich denke, viele von Ihnen, Genossen, teilen dieselben traurigen Gefühle. Und nun frage ich mich: Ist denn wirklich eine Gefahr entstanden für das, was wir alle für heilig halten? Hören Sie, was unsere geliebten Führer sägen. Sie behaupten,. dass sie Zion keinen Augenblick vergessen. Nein, sie sagen, dass unsere Bestrebungen und Arbeit für Zion noch eine Stärkung finden werden. Sie behaupten, eine Stätte schaffen zu wollen, wo wir unsere Kräfte sammeln werden, um für Zion zu arbeiten, eine Kolonie zu schaffen, zwar bevor wir die Metropole haben, aber um letztere zu bekommen. Und nachdem ich das alles gehört habe, bleibe ich doch bei meinen traurigen Befürchtungen. Warum nicht? Wreil ich fürchte, dass es jemandem gelingen wird, statt Zion ein anderes Land in unser Programm hineinzustellen. Nein, nie und niemandem! Sehen Sie, was auf unserer Fahne, die hier liegt, steht 11

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