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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1903-01-01 · 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903 · p. Seite 159

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
Date
1903-01-01
Page
Seite 159 (sequence 160)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476266--2003-3478141
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— 159 — bloss in Palästina und Syrien, sondern auch in anderen Ländern entfalten kann. Ich erinnere mich auch an den Sturm, als zum erstenmale die Cypernfrage autgeworfen wurde. Ich sehe in diesem Kongresse doch eine gewisse Stimmung, die der neuen Proposition nicht ganz so feindlich gegenübersteht. Im Gegenteil! Es werden viele Stimmen laut, aass diese Proposition jedenfalls auf unseren Kongressen zur Diskussion gebracht werden muss. Nun hörten wir aus der Eröffnungsrede unseres Präsidenten, dass die bisherigen Verhandlungen mit der Türkei einerseits resultatlos blieben, andererseits stehen hier alle, die aus Russland kommen, unter dem Eindrucke der Ereignisse der letzten Monate. Wir sehen einen grossen Auswanderungsstrom, und wir erwarten von diesem Kongresse ein entscheidendes Wort in dieser Hinsicht. Ist die Behauptung berechtigt, dass. wenn bis jetzt die Verhandlungen mit der Türkei zu keinem Resultate geführt haben, überhaupt die Hoffnung, dass wir mit der Türkei doch ein Abkommen finden werden, ausgeschlossen ist? Auf diese Frage können und wollen wir Zionisten ein entschiedenes „Nein" antworten. Denn das endgiltige Resultat der zionistischen Bestrebungen, die Lösung der Judenfrage, ist nicht abhängig von einzelnen Staaten, es ist bloss von uns selbst abhängig, von unserem Volkswillen. (Lebhafter Beifall.) Wenn wir diesen Volkswillen nicht bloss in Reden, sondern in der Wirklichkeit betätigen werden, werden wir diesen Volkswillen zum Durchbruche bringen müssen. Demn das, was wir Zionisten behaupten, ist keine private Ansicht, keine Sentimentfrage, sondern die Aeusserung einer historischen Notwendigkeit, einer historischen Gesetzmässigkeit, das, was wir hier erblicken, ist das Resultat einer grossen Menge von Ursachen, die dazu führen werden, dass die jüdische Frage eine entsprechende nationale Lösung findet. Welcher Platz ist aber besser dazu geeignet, als diese heilige Tribüne, dass wir von hier aus laut vor der ganzen Welt verkünden, dass wir gar kein anderes Land wünschen und auf gar kein anderes Land Anspruch erheben, sondern dass wir immer und immer unser unverjährbares Recht auf Palästina zur Geltung bringen werden. (Lebhafter Beifall.) Ich bin natürlich weit davon entfernt, das hochherzige Anerbieten der englischen Regierung zu unterschätzen, der wir gewiss grossen Dank wissen. Wir wissen das zu schätzen, wir werden das noch betätigen, dass wir dieses grosse Anerbieten von der grössten Bedeutung in politischer Hinsicht halten, aber wenn wir etwas Positives in dieser Hinsicht tun, so werden unsere Kräfte für unabsehbare Zeit damit in Anspruch genommen, und gerade in einer Zeit, wo wir uns auf diesen historischen Moment vorbereiten müssen, der gewiss einmal die Tatsache der Wiedererrichtung des jüdischen Staates in die Annalen der Geschichte eintragen wird. Wenn wrir nun in einer anderen Sache arbeiten, werden wir nicht die Möglichkeit haben, unsere Energie, unsere Kraft darauf zu verwenden, dass sie uns zu diesem Ziele bringen soll. Es wurde hier von einem Herrn behauptet, dass, wenn wir von diesem Anerbieten keinen Gebrauch machen, kein Staat mehr einen Finger heben wird, um uns Hilfe zu leisten. Diese Behauptung scheint mir unrichtig zu sein. Denn dieser Umstand allein, dass man uns schon jetzt ein solches Anerbieten gemacht hat, beweist, dass alle Mächte ein Interesse daran haben, dass die Judenfrage in entsprechendem Sinne gelöst werde, und ich zweifle nicht daran, dass, wenn wir von diesem Anerbieten, das unsere nationale Sympathie nicht haben kann, keinen Gebrauch machen, dasselbe England uns andere Mittel nicht versagen wird, die uns doch zu unserem Ziele bringen werden: Wollen wir nicht, dass von dieser Tribüne irgendwie gesagt sein soll, dass die Zionisten nicht mehr so fest an ihrem Programm halten, sondern dass sie auch abweichen, dass sie einen Gegenwartsstaat suchen, um sich dann irgendwo anders einen Zukunftsstaat zu bauen! Ich zweifle nicht daran, dass, wenn wir jetzt einen Gegenwartsstaat bauen, unser Zukunftsstaat blosse Zukunftsmusik sein wird.

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