Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1903-01-01 · 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903 · p. Seite 157

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
Date
1903-01-01
Page
Seite 157 (sequence 158)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476266--2001-3478139
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Aus Rücksichten der augenblicklichen Not wird unserer Emigration eine Richtung gegeben, die uns früher lerne stand. Wenn uns auch die üppigsten Länder gezeigt werden, voll Milch und Honig, so sind uns doch die ganz nackten Felsen Palästinas lieber, weil sie eben in Palästina sind. Wir hatten bisher die moralische Unterstützung des gesamten Europa. Wenn wir das Afrikaprojekt annehmen, so müssen wir dieser moralischen Stütze für unsere Ideale Adieu sagen. Niemand wird später mit unseren Gefühlen rechnen. Auch praktische Momente sind es, welche gegen das ostafrikanische Projekt sprechen. Es wird voraussichtlich eine Spaltung stattfinden in eine Partei des „reinen" und eine des „problematischen'* Zionismus. Dazu wird aber viel Geld erforderlich sein, und wir haben kein Recht, das Geld, das bis jetzt für Palästina herbeigeschafft worden ist, für andere Zwecke zu verwenden. Auf lange Zeit, auf Generationen hinaus, würden wir auf die Spenden zugunsten des Nationalfonds für Palästina und für die Arbeiter in Palästina vollständig verzichten müssen. Auch aus prinzipiellen Gründen ist vorläufig Ostafrika mit dem Baseler Programm nicht in Einklang zu bringen. Wir sagen oft, dass die Ica ihr Geld in einer Weise ausgebe, die dem Nationalwunsche des jüdischen Volkes nicht entspreche. Wenn wir geduldig unser nationales Ideal weiter verfolgen, werden wir das Recht haben — und das. wird nicht so lange dauern — auf das Geld der Ica Einfluss zu nehmen. So aber müssen wir darauf vollständig verzichten. Er schlägt vor, den Antrag bezüglich Ostafrikas nicht nur jetzt nicht, sondern niemals anzunehmen und unsere Tätigkeit in der Richtung des Sehnens des jüdischen Volkes, nach Zion, zu richten. (Beifall.) Del. Dr. Friedemann: Meine Damen und Herren! Ich darf Sie wohl für meine etwas angegriffene Stimme um ein wenig mehr Ruhe bitten, als im gegebenen Augenblicke herrscht. Ich habe heute sehr viel Worte gehört. Sie bewegten sich alle in der Richtung, dass wir im Begriffe sind, das Baseler Programm zu verraten. Meine Damen und Herren! Die Deutschen, Oesterreicher, Italiener, Engländer und Amerikaner, die Ihnen durch meinen Mund vor zwei Tagen verkündet haben, dass sie für Einsetzung einer Kommisston sind, sind so gut Zionisten und wissen so gut mit dem Baseler Programm Bescheid wie die anderen. (Beifall. — Widerspruch.) In den Reden, die wir hier gehört haben, war sehr viel Sentiment. Aber man macht in Europa Politik nicht mit dem Herzen, sondern mit dem Kopf. Die Politik, die von Herrn Temk in und Genossen vertreten wird, ist eine Politik des Sentiments, nicht des Kopfes. (Beifall und Zischen.) Es ist nicht richtig, dass> das Afrikaprojekt dem Baseler Programm widerspricht. Diejenigen, die schon etwas länger in der Bewegung sind, wissen, dass die allerersten Ziomisten sehr im Zweifel waren, ob man Palästina ausschliesslich ins Programm nehmen solle. (Gelächter und lebhafte Zwischenrufe.) Beruhigen Sie sich, meine Herren (Zwischenrufe) und bitte, lassen Sie mich doch ausreden! — Heute sind die Zweifel geschwunden. Es gibt heute keinen Menschen unter uns, der nicht Palästina allein für das unausbleibliche, einzige Ziel unserer Bewegung hielte. Ergo haben wir uns nur zu fragen: Wollen wir mit dem, wras hier vorgeschlagen ist, wirklich das Programm, das wir uns mühselig erarbeitet haben, umstossem? Nein, davon kann gar keine Rede sein. Wir wollen nicht, dass hier etwa beschlossen werden soll, dass wir alle nach Ostafrika übersiedeln, sondern was hier beschlossen werden soll, ist, dass man einen vernunftgemässen Vorschlag für den Augenblick der Not sich vernunftgemäss überlegt, ehe man ihn in den Untergrund befördert. Und es ist selbstverständlich, dass der denkende Mensch nicht aus Sentimentsgründen ohne weiteres etwas verwirft, ohne es geprüft zu haben. Es ist gesagt worden., wenn wir in irgend einer Beziehung in Ostafrika

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.