Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 157)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 156 — Demokraten, die sich Demokraten nennen, die dieses Prinzip nicht verteidigen wollen? Hier ist der Platz zu sagen, ich will zuerst an die Wähler appellieren. Dies geschieht in allen Parlamenten, wenn eine neue Frage aufs Tapet gebracht wird. Man löst das Parlament auf, macht Neuwahlen, sagt, was denkt ihr darüber, und dann entscheidet man. Hier sollen wir einfach entscheiden, woher nehmt ihr euch dieses Recht? (Del. Dr. W o r t smaim: Woher nehmen Sie das Recht?) Ich stimme nicht für und nicht gegen. Ich stehe, ohne zur demokratischen Fraktion zu gehören, auf dem Standpunkt eines Demokraten. Wir müssen aber noch einen zweiten Gesichtspunkt nicht vergessen, das ist die ungeheure politische Bedeutung dieses Angebotes. Wir müssen nicht bloss mit Gefühlsreden kommen, sondern kaltblütig alle Seiten dieser Frage betrachten. Wir sind zum erstenmal als politischer Faktor betrachtet worden. Zum erstenmal kommt die Regierung eines der grössten Völker der Welt und verhandelt mit unserem Führer, ich will nicht sagen, als mit einem gleichen Faktor, aber mit einem politisch ernst zu nehmenden Faktor. Nützen wir diesen Moment aus; wie er auszunützen ist, wird eine andere Frage sein. Aber brechen wir nicht den Stab darüber. Denn wenn wir sagen, wir wollen nichts davon hören, wir haben nicht mehr die Möglichkeit aller Konsequenzen, die wir aus dieser Frage ziehen können. Verpassen wir diesen Moment nicht, geben wir unserem Führer vielleicht ein Atout, das er ausnützen wird am gegebenen Orte. Damit ja keine Gefahr für den Zionismus entsteht, gibt es nur eine richtige Entscheidung. Dieser Kongress kann über diese Frage absolut nicht entscheiden. Wir wählen eine Kommission, die mit der Frage so weit als möglich vertraut wird, aber sie hat kein Recht zu entscheiden, sondern wir werden auf Grund des Materials, weiches publiziert wird und vor unsere Wähler kommt, entscheiden, und wenn es notwendig ist, haben wir auch einen Kongress in zwei, drei, sechs Monaten. Nehmen Sie die Sache nicht auf Ihr Gewissen allein. Wir leben nicht nur von Ideologie, und Dr. Noröau hatte recht, als er sagte, wir müssen vielleicht ein Nachtasyl schaffen. (Beifall.) Für das Volk, das zu Tausenden und Hunderttausenden degeneriert, haben Sie nicht das Recht, zu entscheiden. Bevor Sie sich entscheiden, erinnern Sie sich der grossen Verantwortlichkeit, die Sie auf sich laden, wenn Sie sich sofort entscheiden. Mein positiver Vorschlag geht also dahin: Wir nehmen eine Kommission, die aber kein Recht hat, über die Frage einen entscheidenden Entschluss zu fassen, dann soll die Frage vor die ganze zionistische Welt gestellt werden und die endgiltige Entscheidung soll erst am nächsten Kongresse fallen. Wenn wir dann entscheiden, in welchem Sinne es auch sein mag, wird es eine Volksentscheidung sein. Der Volkswille ist Gotteswiile. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Del. Temkin (spricht unter grossem Beifalle russisch). Del. Dr. Kohan-Bernstein (übersetzend): Herr Temkin sagt, dass er die schwere Aufgabe habe, als Mitglied des A.-C. gegen den Vorschlag eines anderen geschätzten Mitgliedes des A.-C. sprechen zu müssen. Er danke England herzlich für das grossmütige Anerbieten, aber bei aller Dankbarkeit für England und bei aller Anerkennung der grossen Erfolge unserer Führer müsse er doch konstatieren, dass vom VI. Kongresse an bei unseren Führern mehr Anhänglichkeit zum judenstaatlichen Ideal, als zum Zionsideal sichtbar geworden ist. Alle hätten wir Opfer des Intellektes, Opfer unserer Lebensbequemlichkeiten gebracht, um uns mit unserem Volke zu vereinigen und für ein Ideal, für unsere Heimat zusammen zu arbeiten Wenn das Ostarrikaprojekt angenommen wird, so hegt er rMe Befürchtung, dass wir in der Zukunft Schwierigkeiten haben werden, auf der K?rte zu zeigen, wo eigentlich unser Zion zu suchen ist, in Palästina oder anoerswö.