Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 156)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 155 — das einfach eine Ohrfeige für den Zionismus. Entweder gibt es einen Zionismus, oder wir geben den Zionismus auf 10 Jahre auf. Wir haben unsere Führer, wir schenken ihnen Vertrauen, wir haben sie die ganze Zeit zu ehren gelernt und ehren sie auch jetzt. Wir wollen, dass unser Führer Dr. Herzl, der diese Organisation geschaffen hat, keine Stunde einer anderen Bewegung und .einer anderen Organisation schenken soll. Wir sind eifersüchtig auf ihn. Für Ostafrika haben wir keinen Dr. Herzl, der uns so teuer ist, zu verschenken. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Es ist überhaupt ein falscher Standpunkt, wenn man sagt, die armen Juden können nicht warten. Wir sagen, wir wollen für das jüdische Volk eine Heimstätte auf nationaler Basis gründen. Dabei meinen wir doch nicht, dass Dr. Herzl in Wien bleiben wird. Wir wollen, dass er mit uns fahre. Unsere Führer müssen mit uns gehen. Ich will Dr. Herzl und Dr. Nordau in Erez Jisroel haben. (Stürmischer Beifall.) Seien wir Zionisten! Wir Zionisten stehen auf dem Standpunkte, dass die Gerechtigkeit sich mit der Zeit Durchbruch verschaffen wird. Nicht nur in England allein, sondern in der ganzen Welt werden unsere Rechte anerkannt werden müssen. Man wird uns unser Land geben, denn für uns spricht unser geschichtliches Recht. In einem der ältesten Bücher steht es eingeschrieben, dass dieses Land das unsere ist. Das ist ein geschichtliches Recht,^ und wir wollen dasselbe nicht verkaufen. Nun kommt die praktische Seite. Nach Erez Jisroel werden alle Juden wegen der Heiligkeit des Ortes kommen, nach Ostafri'ka aber nicht alle. Der Wille der ganzen Nation ist mehr wert, als die 300 Millionen der Ica. Zu einem Lande muss man zugehörig sein. In Erez-Jisroel sind wir alle bereit zu sterben, nicht aber in Ostafrika. Die Frage ist eine sehr wichtige, und der Moment ist noch wichtiger. Dr. Herzl ist uns allen sehr teuer, denn er steht an der Spitze der zionistischen Bewegung. Wir wollen, dass Dr. Herzl ständig Präsident sein soll auf den Zionistenkongressen, so lange wir unser Ziel nicht erreichen. Der VI. Kongress soll vorsichtig sein, denn er wird nicht der letzte sein, und wir werden .nachher noch andere zionistische Kongresse haben. Herr T r i e t s c h hat Landkarten, hergebracht. Herr T r i etsch und sein Anhang sollen tun, was sie wollen, und wir Zionisten tun, was wir wollen. Sollte es auch viele geben, die sich anderen Bewegungen zuwenden, so wollen wir uns als reine Zionisten treu bleiben. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Präs. Dr. Herzl: Es liegt ein Antrag des Herrn Gewitsch vor: „Es sollen'die Redner befragt werden, ob sie für oder gegen die Einsetzung einer Kommission sind und dann soll diesen Rednern abwechselnd das Wrort gegeben werden." (Es wird hierauf festgestellt, welche von den eingetragenen Rednern pro und welche contra reden wollen.) Del. Dr. Pasmanik: Verehrter Kongress! Ich glaube, der tragischeste Moment des VI. Kongresses, und nicht bloss dieses, sondern aller bis heute gewesenen zionistischen Kongresse, ist heute. Denn man muss diesen inneren Kampf sehen, der in jedem einzelnen vor sich geht, wie schwer es einem fällt, in dieser Frage eine Entscheidung zu fällen. Es gibt viele, die sehr gute Zionisten sind, die dies schon bewiesen haben und trotzdem nicht so leicht sich entscheiden können. Meine Damen und Herren! Wenn man nur an die Gefühle appelliert, so kann man wohl einen Erfolg haben, aber die Sache ist damit nicht entschieden. Vor allem mache ich Sie auf einen Umstand aufmerksam. Als wir zum Kongresse gewählt worden sind, wussten wir von der Ostafrikafrage gar nichts. Wir wissen nicht einmal, was unsere Wähler darüber denken, und man müsste dies wissen. Haben wir denn das Recht, ohne die Wähler befragt, ohne die Sachlage ihnen auseinandergesetzt zu haben, die Frage zu entscheiden? Woher nehmen wir dieses Recht? Haben Sie ein Mandat dafür bekommen, und wo sind die