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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1903-01-01 · 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903 · p. Seite 154

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
Date
1903-01-01
Page
Seite 154 (sequence 155)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476266--1998-3478136
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— 154 — gründen wollen, versuchen, das Nachtasyl so gut als möglich auszustatten. Wenn wir das aber tun, wenn wir viele Millionen zu diesem Zwecke ausgegeben haben werden, dann soll es uns klar sein, dass wir an Palästina vergessen. (Beifall und Widerspruch.) Wenn jemand nicht meiner Ansicht ist, so kann er ja seinen Standpunkt hier vertreten. Ich bitte mich aber nicht zu unterbrechen, da ich sonst mehr als 10 Minuten verlangen müsste. Meine Damen und Herren! Es ist charakteristisch, und ich möchte sagen traurig, dass sämtliche Landsmannschaften mit Ausnahme der russischen zwei Stunden nach der Rede Dr. He r zls ohne weiteres sofort den Antrag auf die Wahl einer Kommission gestellt haben. Wir sehen, wie tief Zion in die Herzen. der anderen Landsmannschaften gedrungen ist. (Beifall und Händeklatschen. — Lebhafter Widerspruch.) Wie ist es möglich, innerhalb 24 Stunden, innerhalb 12 Stunden sich von Palästinensern in Ostafrikaner zu verwandeln? Unser Freund Dr. Sy r k in hat für Ostafrika gesprochen. Er war auch schon vor der Rede Dr. Her zls für Ostafrika, weil er nie ein solcher Zionist war, wie wir. (Beifall und Zischen.) Man sagt uns, wir müssen der englischen Regierung dankbar sein. Jawohl! Wir müssen der englischen Regierung dankbar sein, aber vergessen wir nicht, dass, wenn wir 5 Millionen Juden nach Ostafrika schicken, und wenn wir Juden dort einen Kulturstaat gründen, auch die englische Regierung uns zu danken haben wird, da wir ein Kulturvolk in eine Wildnis bringen werden. Wir sollen also nicht sagen, dass nur wir unbedingt der englischen Regierung danken müssen.. Ich möchte zur Ehre des jüdischen Volkes, dass nicht immer gesagt werde, nur das jüdische Volk müsse für alles dankbar sein. Auch wir sind etwas wert! Man lässt uns nach Ostafrika, weil man uns dort brauchen kann. Und so war es immer in der ganzen Geschichte des jüdischen Volkes. Trotzdem müssen wir der englischen Regierung dankbar sein, weil andere Völker auch das nicht zulassen wollen. Ich bitte Sie also, meine Herren, meine Rede so aufzufassen, als spräche, ich hier gegen Ostafrika. Ich wiederhole noch einmal: Wenn wir für Ostafrika sind, müssen wir uns über folgendes klar werden: Wenn wir nach dem Kongresse nach Hause fahren, so müssen wir unseren Wählern ganz offen erklären: Ihr Zionisten habt uns zu einem Zionistenkongress geschickt, und wir sind hier ostafrikanische Delegierte geworden. Vielleicht wird einmal ein allgemeiner jüdischer Kongress stattfinden, und vielleicht werden Sie da auch mich und meine Gesinnungsgenossen sehen. Auf dem Zionisten - kongress aber werden Sie nie meine Stimme für Ostafrika sich erheben hören: das wäre ein Verrat an den Schekelzahlern, ein Verrat an den Zionisten. (Beifall und Händeklatschen.) Meine Herren, ich will nicht einmal die 10 Minuten vollständig ausnützen, sondern mit einem Antrage schliessen, der mir durchaus keine blosse Formsache ist. Ich beantrage, dass über die Frage, ob wir eine Kommission wählen sollen, na m e n 11 i c h abgestimmt werde — möge die Abstimmung auch drei bis vier Stunden dauern — damit das jüdische V olk, damit d. i e Zionisten in R u s s 1 a n d und a n de r s w o w i s s e n, wer für Ost a f rika und wer f ü r P a 1 ä s t i na i s t. Del. Levin (Jargon) wendet sich gegen die Wahl einer Kommission, weil er dies als ersten Schritt für die Annahme des Ostafrikaprojektes ansieht. Die Sache habe einen moralischen und einen praktischen Standpunkt. Die einfachen russischen Juden sagen sich: Entweder Zion oder Ostafrika. Beides last sich miteinandejr nicht vereinbaren. Bis jetzt haben wir nicht einmal e i n Land gehabt, und jetzt auf einmal will man uns zwei Länder geben. Wir haben unsere Heimstätte in Palästina. Es fragt sich nur, ob es eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte ist. Man hat uns gesagt, der Zionismus wird uns ein Nachtasyl geben. Wozu diese Ümwege? Von der moralischen Seite betrachet ist

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