Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1903-01-01 · 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903 · p. Seite 151

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
Date
1903-01-01
Page
Seite 151 (sequence 152)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476266--1995-3478133
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 151 — die Einwanderung in demselben oder einem noch stärkeren Masse fortdauert. Ich strecke jedem einzelnen an unserer Küste landenden Juden die Hand entgegen und rufe ihm ein „Willkommen!14, „Gott segne dich!kk, „Ich freue mich, dass du gekommen bist!" zu. Aber ich behaupte durchaus nicht, dass ich, wenn ich solche Gefühle ausdrücke, der Vertreter der Meinungen der meisten amerikanischen Juden bin. Sehr viele amerikanische Juden haben schon heute diese Gesinnungen nicht. Die Last, die auf ihre Schultern durch das Anwachsen der Einwanderung armer osteuropäischer Juden gewälzt wird, ist eine so ungeheuere, dass sie sie zu zermalmen droht, und es ist menschlich zu begreifen, dass sie eine Erschwerung dieser Lasten nicht wünschen. Was würde es nun bedeuten,, wenn die Tore der Vereinigten Staaten sich vor den Juden verschliessen würden? Wenn die eine Million Juden, die in den letzten Jahren nach Amerika gewandert ist, in Amerika nicht hätte Einlass finden können, wenn die eine Million Juden, die vielleicht schon im Begriffe ist, nach Amerika abzuströmen, oder in den nächsten zwanzig Jahren den Wunsch haben könnte, dahin zu gehen, wenn diese Million auf eine verschlossene Tür stossen würde — ich wage es gar nicht auszudenken, was das bedeutet. Eine der Grosstaten der amerikanischen Diplomatie war im vergangenen Jahre die Note, die der Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten Mr. H a y an die rumänische Regierung gerichtet hat, um ihr wegen der Behandlung der rumänischen Juden durch die dortige Regierung Vorstellungen zu machen. Es waren darin sehr grossherzige, schöne, ewig unvergessliehe Worte enthalten, aber die Grundlage dieser Note war die Besorgnis vor einer gesteigerten Einwanderung von Juden nach Amerika, war der Wunsch, keine unerwünschten einwandernden Elemente zur Bevölkerung der amerikanischen Staaten von Nordamerika hinzuzufügen, und niemals würde Staatssekretär Mr. H a y seine Note verfasst und an die rumänische Regierung gerichtet haben, wenn er nicht gefühlt hätte, dass die Stimmung des Landes gegen die fremden Einwanderer einen solchen Schritt unbedingt notwendig mache. Bauen Sie nicht allzustark auf den unerschütterlichen guten Willen der Vereinigten Staaten! Rechnen Sie nicht unbedingt darauf, dass in den Vereinigten Staaten immer unbegrenzter Platz für alle Obdach suchenden auswandernden Juden vorhanden sein wird! Wenn sich Ihnen eine Gelegenheit darbietet, ein anderes Obdach zu finden — um alles in der Welt, nehmen Sie es an, tun Sie das Möglichste, um es zu gewinnen! Ehe ich Zionist bin, bin ich Jude und gleichzeitig damit, dass ich Jude bin, bin ich M.ensch. Als Zionist, als Jude, als Mensch sage ich: Wenn Sie Gelegenheit haben, die Mitjuden, die Mitmenschen zu retten, tun Sie es um alles in der Welt! Nehmen wir an, Sie würden das grossherzige Anerbieten der englischen Regierung ablehnen, glauben Sie denn, dass noch jemals irgend eine Regierung der Welt einen Finger erheben Würde, um ein Volk zu retten, das sich nicht selbst retten will? (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wenn wir selbst eine Tür, die man uns öffnet, zuschlagen, so werden wir niemals wieder erleben, dass eine Regierung uns eine Tür öffnet. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Präs. Dr. fierzl: Es liegen folgende Anträge zur Geschäftsordnung vor: Dr. Pasmanik: „Angesichts des Umstandes, dass die Ostafrikatrage in den Landsmannschaften bereits ausführlich besprochen wurde und hiermit die Frage allen genau bekannt ist. beantrage ich Generalredner zu wählen, und zwar zehn, von denen nur jeder 15 Minuteri sprechen darf." Dann ist ein von Schnelling unterzeichneter Antrag da: „Die zur Ostafrikafrage vorgemerkten Redner mögen einen Generalredner wählen/1 Dann ein Antrag vom Delegierten Jakob Mar ein: „Da über Ostafrika in den Konferenzen der verschiedenen Landsmannschaften schon genügend gesprochen worden ist und verschiedene Resolutionen gefasst worden sind, soll die Redezeit der angemeldeten Redner auf 20 Minuten beschränkt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.